Shir Khan Exkursion 1992

Mein Freund Shir Khan fand dieses Wetter einfach grandios, so ausgelassen hatte ich ihn noch nie gesehen. In den kurzen Pausen wälzte er sich im Schnee herum und macht Faxen, sodass ich lachen musste. Wie vergänglich war doch die Zeit. Mein Shir Khan war jetzt schon fünf Jahre alt und mir wurde auf einmal bewusst, dass wir diese Zeit nur geliehen hatten. Ich fühlte, wie sehr ich meinen Freund liebte und es wurde mir schmerzlich klar, dass er nur 12-14 Jahre alt werden sollte. „Hoppla“, dachte ich „du wirst vielleicht eher von der Erde gehen als dein Freund“. „Das geht nicht“, sagte ich zu mir selbst. „Wo soll mein Freund denn hin?“ Diese Gedanken begleiteten mich sehr oft. Es war das erste Mal, dass ich über den Tod so konsequent nachgedacht hatte.
Wir fuhren durch die Berge von Colorado nach Cortez und weiter hoch zum Mesa Verde National Park, den ich 1987 nicht angeschaut hatte, weil die Four Corners mir damals wichtiger erschienen waren. In Mesa Verde N.P. überschritten wir die 10.000 km-Marke auf dieser Exkursion.
Am Tag vorher war ein Blizzard über uns hinweggezogen, und der Weg nach oben war durch den losen Schnee sehr anstrengend geworden. Vom Eingang des Parks bis zum Scheitelpunkt, wo sich das Anasazi Indianer Museum befand, galt es 1000 Höhenmeter zu überwinden. Art, ein freundlicher park ranger stoppte uns auf halbem Weg und lud uns in seinen Pick Up ein.

Am Museum stellte er uns der restlichen Belegschaft vor. Man lud mich zu einer Diashow und einer privaten Führung zu den Bauwerken der Anasazi-Indianer ein. Die Anasazi hatten unter die Bergüberhänge der Mesa Verde kleine Dörfer gebaut,die in spanisch „Pueblos“ hießen.
Ein anderer park ranger führte uns durch eines dieser Dörfer, was sehr interessant war. Er sprach mit einer solchen Euphorie über die Bauwerke, die Kultstätten und den Tagesablauf der Anasazi, dass man sich in das damalige Leben hineinversetzen konnte.

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Vom Mesa Verde National Park auf Highway 160 nach Durongo. Von dort weiter zu den Aztec Ruinen in New Mexico, die erst 1916 ausgegraben worden waren.

—————BILDER DER SCHNEEWÜSTE—RIOARRIBA COUNTY———————

Wir kamen aus den Bergen der Rockys und es wurde wärmer zur Tagesmitte hin. Seit Tagen rasten Trucks in Richtung Santa Fe auf dem Hwy 550 an uns vorbei und hüllten uns in eine Wolke aus dreckig-roter Gischt. Ein starker Druck hinter dem linken Auge, den ich schon seit Tagen verspürt hatte, wurde nicht besser, ganz im Gegenteil. Die Schmerzen wurden immer stärker. Da konnte man die Motivation weiterzufahren verlieren. Zehn Monate waren vielleicht genug. Einige Tage Entspannung würden mir bestimmt guttun.
Da kam wieder einer dieser Trucks. Ich konnte ja verstehen, dass sie schnell an einem bestimmten Ort sein wollten, doch könnten sie wenigstens vom Gas gehen und etwas langsamer an uns vorbei rauschen. Wenn so ein Ungetüm vorbeidonnerte, drehte ich mich resigniert zur Seite, um das Aufklatschen dieses roten Matsches auf meinem Rücken abzuwarten. Die Füße und Hände waren nur noch feuchte, gefühllose Eisklumpen. Um diesen Zustand zu verbessern, musste ich immer wieder einige Kilometer zu Fuß laufen, und dann ging es wieder für

eine Weile. Aber wie lange hielt ich das noch durch? Wir waren auf dem Highway 544 in Richtung Santa Fe.
Total demotiviert kamen wir schließlich in der Hauptstadt von New Mexico an, wo ich viele nette Menschen traf, die mir weiter halfen*. Sie hießen Marios, Mathew, Rosi und Karin, die mir mit ihrer Akupressur sehr wohl tat. Dr. Guruchander Singh Khalsa, der indische Chiropraktiker renkte meinen Halswirbel wieder ein. Jedoch auch ein paar freie Tage machten mich nicht wieder flott. Ich hatte Heimweh und wollte wieder nachhause zurück.
In einem Telefongespräch mit Glenn besprachen wir die verschiedenen Möglichkeiten einer Rückreise. Ich ging auf sein Angebot ein, dass wir uns auf halbem Wege nach North Carolina, von wo aus er startete, treffen würden.
In Sylva fand ich meine Motivation auch nicht wieder. Ich hatte einfach Heimweh. Von Charlotte flogen wir wieder nach Deutschland.

Im Februar 1992 waren wir wieder in Deutschland. Es hatte sich nichts geändert. Ich war immer noch bestrebt, ein Teil dieser Gesellschaft zu werden. Ich hatte jetzt zwar eine andere Lebensphilosophie, doch wollte ich wieder Fuß fassen. Aber alle Bemühungen waren umsonst.
Die Freunde blieben dieselben, der Bekanntenkreis änderte sich. Wenn man meine Hilfe brauchte, kannte man mich. Wenn es um ein Zusammentreffen jeglicher Art ging, sei es auf Veranstaltungen zu gehen oder zu feiern, hatte man mich vergessen. „Zu dieser Zeit, gab es nur Trommeln, keine Handys, haha“. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Da ich in der Umgebung von Windecken, meinem alten Wohn- und Geburtsort, keine Wohnung bekam, zog ich auf Empfehlung eines Bekannten nach Rinderbügen bei Büdingen. Somit dehnte sich auch mein Bekanntenkreis aus.
Ich lernte viele neue Menschen kennen und einige wurden meine Freunde, wie Klaus Hofmann oder Michael Weber.
Aber mein Vertrauen in unsere Gesellschaft hatte ich verloren. Zum Beispiel hatte ich zwei Briefe an die Deutsche Krebshilfe geschrieben, in denen ich meine Hilfe als ermutigendes Beispiel für Krebskranke angeboten hatte. Ich bekam keine Antwort!
Mit Volker Beck von der Deutschen Krebsgesellschaft in Offenbach/Hessen hatte ich mehr Erfolg. Ich konnte nicht nur zu Krebskranken sprechen, ich bekam auch von ihm ein Referenzschreiben, das mir in der Zukunft weiterhelfen sollte.

Ich war ein Sozialfall geworden. Sollte ich bis in alle Ewigkeit auf der Tasche der Gesellschaft liegen, die mich zu dem gemacht hatte, was ich jetzt war?
Das schöne Gefühl, zu Hause zu sein, wurde schnell von der Realität eingeholt. Mir war es bei den bisherigen Exkursionen in Nordamerika besser gegangen. Dort war unser Handeln anerkannt und geachtet worden. Hier war ich nur ein Mitläufer.
Sobald wir das Bundesland Hessen verließen, waren wir nicht mehr abgesichert. Keine Krankenkasse, Sozialhilfe oder finanzielle Hilfe jeglicher Art. Also stand mein Entschluss fest: sobald es meine finanzielle Lage erlaubte, wollten wir wieder weg. Wenn mich nur nicht nach einigen Monaten im Ausland das Heimweh überkommen würde!
In Altenstadt/Waldsiedlung, im Fitness Center von Wolfgang und Mira Laetsch, wo ich meinen Körper auf Höchstleistung trimmte, erweiterte ich auch meinen Bekanntenkreis. Ich hatte dort viele Gespräche mit Wolfgang, Dorina, Astrid und Andrea, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen. Bei diesen Unterhaltungen hörten an der Theke auch andere Personen zu, z.B. die Frau des Geschäftsführers von Coca Cola in Hessen. Diese Bekanntschaft war sehr hilfreich für mich. Bei einer Veranstaltung der Firma Coca Cola an der Alten Oper in Frankfurt wurden zu meinen Gunsten für unsere neue Exkursion im „Kampf gegen den Krebs“ einige Bilder von Graffiti-Künstlern versteigert.
Auch hatte ich Kontakt zu Herrn Burghardt Schmidt, Inhaber des Fahrradgeschäftes `Zweirad Schmidt` in Schöneck/Hessen aufgenommen. Burghardt war auch von meiner Sache sehr angetan, und durch seine Beziehungen bekam ich kostenlos ein neues Rad von Merida-Bikes.
Dorina, die Bekannte aus dem Fitnessstudio, überarbeitete meine niedergeschriebenen Berichte und half mir bei der schriftlichen Suche nach weiteren Sponsoren. Dummerweise hatte ich mich noch unglücklich in A….. verliebt, was mir die Abreise aus Deutschland erschwerte.

„Du bist geboren um zu sterben, dazwischen liegt das Leben“

Nachdem noch einige Pigmente aus meiner Haut entfernt worden waren, flogen wir im September 1992 nach Vancouver, Kanada.
Mein Plan sah wie folgt aus: so schnell wie möglich von Vancouver nach Anchorage/Alaska und von dort nach Sibirien/Russland. Wie wir allerdings nach Sibirien kommen sollten, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. In meinem Hinterkopf rechnete ich damit, dass mir wieder glückliche Zufälle zuhilfe kämen

Bei der Ankunft in Vancouver wurde unsere Ausrüstung nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Alle Kartons wurden aufgerissen und der Inhalt zum Teil beschädigt. Eine Reklamation war bei einem gesponserten Flug nicht möglich, oder vielleicht doch? Es war der Zoll und ich hatte keine Auflistung gemacht, um zu zeigen, was in den Kartons war.
Auch fand ich keine Abnehmer für die Hundeflugbox von Shir Khan, so musste ich diese in der Abfertigungshalle zurück lassen. Ich baute mein Fahrrad mit Anhänger vor dem Terminal zusammen. Auch mussten die Taschen neu gepackt werden.
Auf Nebenstraßen fuhren wir die 106 km bis zur Staatsgrenze nach Washington/USA. Der Fährhafen, von dem aus ich nach Alaska übersetzen wollte, lag in Ballingham/Washington, nördlich von Seattle.
Am 22.9.1992 fuhren wir los. In den nächsten Wochen auf meinem Weg nach Alaska trafen wir wieder viele Menschen mit interessanten Storys. Zum Beispiel Rupert Buntin, den ich auf der Überfahrt kennenlernte und über dessen Lebensgeschichte man ein Buch hätte schreiben können*. Er gab mir den guten Rat, einen Daranger (Revolver) und eine Leuchtpistole mitzuführen. Das wäre, vom Gewicht her gesehen, die leichteste Art, sich vor einem Bären zu schützen. Ein weiterer Kontakt war Dan Turner.*( Ja, schon wieder ein Dan. Es tut mir leid, aber ich kam wirklich oft mit Menschen in Kontakt, die denselben Vornamen hatten.)
Dan hielt uns auf der Straße an, als er Shir Khan sah. Shir Khan, ein Bild von einem Malamut, saß wie immer mächtig stolz in seinem Anhänger, den er auch verteidigte, was Dan am Zähnefletschend sehen konnte. Er fand das sehr ungewöhnlich. Er lud mich zu sich nachhause ein. Sein Grundstück lag etwas abseits des Highway. So packten wir unser Gefährt auf den Pik-Up und fuhren mit Dan nachhause
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Er und seine Frau Chris waren Mushers (Schlittenhundeführer) und hatten 17 Schlittenhunde. Ihr Ziel war es, in zwei Jahren beim Yukon Quest mitzufahren. Der Yukon Quest ist das härteste Schlittenhunderennen der Welt und führt von Fairbanks/Alaska nach Whitehorse/Kanada. Man hört immer nur über die Iditaroad, die 1049 Meilen durch die Wildnis von Alaska führt. Sie ist durch die vielen Hundefuttersponsoren und die Medien in der Welt bekannt geworden. Beim Yukon Quest gibt es weniger Kontrollhaltestellen, und den Hunden wird noch mehr abverlangt, als beim Rennen auf der Iditaroad. Doch kein Musher würde die Hunde bis zu Erschöpfung treiben. Die Hunde sind sein wertvollster Besitz.

Hier muss ich jetzt mal meine persönliche Meinung zu diesem Thema sagen: Die von den Hundefutterfirmen gezahlten immer höheren Preisgelder bringen eine neue, geldgierige Art von Mushers hervor. Diese kreuzen andere, schnellere Hunderassen mit Schlittenhunderassen, wie zum Beispiel dem Jagdhund „Deutsch Drahthaar“.
Was hat ein Deutscher Jagdhund oder ein Windhund ( ein Jagdhund, der ursprünglich aus Ägypten stammt) in Alaska verloren? Optisch haben diese „Rennhunde“ nichts mehr mit den Original Schlittenhunden wie dem Malamut und den Huskys zu tun. Wieder zerstört der Mensch wegen seiner Geldgier die Vorgaben von Mutter Natur. Die originalen Schlittenhunde werden nur noch für Fotozwecke dieser Hundefutterfirmen benutzt, um anderen Menschen etwas vorzugaukeln, was der Realität nicht mehr entsprach.
Um schneller nach Anchorage zu kommen, versuchte ich, den Linienbus zu nutzen. Aber mit meinem Schlittenhund war das nicht möglich.
Da diese Strecke auch nach mehrmaligem Befahren immer wieder traumhafte Landschaftsbilder und „kalkulierbare“ Abenteuer“ bietet, machte es mir nichts aus, sie mit dem Rad zu fahren.

Am 12.10.1992 schneite es zum ersten Mal. Unser Zelt war bis zur Hälfte eingeschneit. Nur gut, dass ich unser Nachtlager auf einem kleinen Parkplatz neben dem Alaska Highway aufgebaut hatte, so hatte ich am nächsten Morgen keine Mühe, unser Gefährt auf die schon geräumte Fahrbahn zu schieben.

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YUKON TERRITORY, ALASKA. KEIN FLUG NACH SIBIRIEN WIEDER ZURÜCK. ALASKA/CANADA HIGHWAY.

Shir Khan liebte dieses Wetter und half mit seiner überschwänglichen Energie, unser Gefährt zu ziehen. Im losen Schnee ist es normalerweise sehr kraftaufwändig, vorwärts zu kommen.
Bei einem vorbeifahrenden Schneeräumfahrzeug meinte ich zu erkennen, dass der Fahrer mir einen „Vogel“ zeigte.
Für einen normalen Menschen war das auch unverständlich, um diese Jahreszeit einen Radler auf dieser Straße zu sehen.
Bergauf schieben und schwitzen. Bergab drückte das Gewicht des Anhängers, der hohe Adrenalinspiegel hielt den Kreislauf auf Trab. Der Atem gefror in den Barthaaren bei -17°C. Ich kam ins Schlingern und zum Sturz. Nix passiert. In den ersten Tagen eines solchen gewagten Trips ist man noch sehr verkrampft, um aus brenzligen Situationen herauszufahren, ohne zu stürzen.

Es war a…kalt. Hände und Füße waren Körperteile, die man sehr schützen musste. Der Genitalbereich, na ja, da konnte man nur noch mit dem Kopf schütteln und sagen : „ Ei wo isser denn?“. Wenn es an den Füßen oder am Körper zu kalt wurde, hieß es laufen und schieben, am besten im leichten Trab.
Wir fuhren am Kluane Lake vorbei. Im Osten erhob sich der Ruby Range (Gebirgszug), der den See einbettete. Im Ort Dustruction Bay fragte ich an einer Tankstelle mit Cafe, wann ein Bus nach Tok/Alaska ginge. Zwanzig Minuten später kam der Bus, der jedoch mich mit meinem Hund zusammen wieder nicht einsteigen ließ.
So fuhren wir weiter. Plötzlich hupte es hinter uns. Ein weißer, als Wohnmobil umgebauter Bus, hielt hinter uns. Die vier Personen hatten das Gespräch an der Tanke mitbekommen. Wir könnten bis nach Anchorage mit ihnen fahren und man hätte nichts gegen Shir Khan. Zwei Tage lang hatten wir viel Spaß mit Phillip E. Daniel, einem 50-Jährigen, mit seiner Frau Maria, Rachel und Ernie, zwei Freunden.
Am Donnerstag, dem 1.10.1992 waren wir in Anchorage und besuchten die Reporterin Ingrid Parish, die ich auf dem Trip 1990 kennen gelernt hatte*. Sie war nicht da. So fuhr ich am nächsten Tag zum Airport, um zu sehen, ob es eine Fluglinie nach Novosibirsk/Russland am Beringmeer gab. Natürlich nicht. Die Auskunft einzuholen, war auch eher eine Entschuldigung an mich selbst, dass ich mir so eine naive Planung überhaupt ausgedacht hatte. Es sollte doch ein kalkulierbares Abenteuer bleiben. Es war mir doch lieber, im Winter durch Alaska mit einer gewissen Infrastruktur zu radeln, als durch Sibirien.
Vor dieser Exkursion hatte Uli Dausin (Jack Wolfskin) Kontakt zu dem US-Hersteller von Funktionsbekleidung aufgenommen, um mir entsprechende Spezialkleidung zu Verfügung zu stellen. Carol Penny von der Firma Malden Mills (Polartec) in Massachusetts sandte uns weitere warme Funktionskleidung postlagernd nach Tok/Alaska*. Wir waren aber in Anchorage!
Ich versuchte, bei den Medien und in der Alaska Pacific University noch etwas zu bewirken, doch alle Bemühungen schlugen fehl: In der Uni dauerten die Vorbereitungen zu lange, um etwas in den Klassen arrangieren zu können, und für die Medien in Alaska schien Krebs ein Tabuthema zu sein.

ALSKA/CANADA HIGHWAY. DIE NACHT IN DER DIE WÖLFE KAMEN. STONE MTN. WEIHNACHTEN EINGESCHNEIT: FESTTAGSESSEN HUNDEFUTTER:

So traten wir am 9.10.1992 die Rückreise nach Süden an. Es wurde ein harter Winter und es hätte nicht härter in Sibirien sein können.
Täglich hatten wir mit Temperaturen bis zu -36°C zu kämpfen, doch die gute Ausrüstung von Jack Wolfskin und die Wärme von meinem „Sohn“ Shir Khan ließen mich nicht erfrieren. Wir fuhren auf dem Glenn Highway zum Abzweig Wasilla/Palmer in Richtung Madanuska Glacier, den wir zwei Tage später erreichten. Die Strecke bestand aus lauter kleineren und größeren Hügeln, „rolling hills“ genannt, wo ich bis zu zehn Kilometer am Tag schieben musste.

Nach dem Eurika Summit schien es zunächst erst einmal keine 10-12% Steigungen mehr zu geben. Wenn wir bei diesen widrigen Umständen 40 km pro Tag fahren würden, wäre es gut. Ich hatte allerdings mit 60 km/Tag gerechnet, also kamen wir nur sehr langsam voran.
In Tok holte ich erst einmal unsere neue Winterkleidung auf der Post ab. Die Jacke war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Bei der Hose stach mir die Farbe regelrecht ins Auge: himmelblau, glänzend und furchtbar eng an meinen Oberschenkeln. Nur gut, dass es aus Stretchmaterial war!!
Kurz vor der Kanadischen Grenze Richtung Yukon Territorys lief ein großer Timberwolf über die „Alcan“(Alaska-Canada-Highway), blieb stehen und schaute in unsere Richtung. Bis ich die Kamera ausgepackt hatte, war er weg. Doch er beobachtete uns weiter, denn in den nächsten Stunden sah ich ihn immer wieder hinter einem Busch oder auf einer Anhöhe neben der Straße.
Im Dunkeln erreichten wir die Border City Lodge. Ein Hund lief auf uns zu. Es war eine heiße Hündin. Gleich darauf erschien der Lodgebesotzer und schrie mich an, ich solle mit meinem Köter woanders hingehen: „Der kackt und pinkelt mir überall hin und schon sind es Hunderte, die hierher pinkeln“. „Entschuldigung, aber Ihr Hund ist heiß und hält sein Hinterteil meinem Shir Khan vor die Nase, Depp“.
Es war das einzige Restaurant weit und breit. Ich hatte Hunger und fror. Einige hundert Meter weiter auf einem Parkplatz schlugen wir unser Nachtlager auf. Ich war zwar sauer, doch der Hunger trieb mich zurück zur Lodge. Die Pommes – in uraltem Fett gebacken, der Hamburger: frisch aus der Tiefkühltruhe. Ich aß es widerwillig. Die Cola war klasse.
Die Schmerzen im Schulterbereich waren nicht mehr zu ignorieren. Die Aspirin und Musaril halfen nicht mehr. Ich brauchte ärztliche Hilfe.
Wir hatten die Kanadische Grenze nach 690 km (von Anchorage aus) überschritten. Wenn ich gewusst hätte, dass mich die kanadischen Grenzbeamten so freundlich empfangen, wäre ich am Abend zuvor noch diese paar Kilometer im Dunkeln weitergefahren und hätte an der Grenze übernachtet. Aber ich war halt fertig und ausgelaugt.
In den Bergen der Dawson Range wurden wir vor einer Straßenbaustelle von einer stämmigen, in warme Kleidung verpackten Frau mit Leuchtweste angehalten. Das Walkie- Talkie in der einen und das „Stop und Go“ Schild in der anderen Hand sagten : Ich sage, wann es weiter geht!

Am Tag zuvor hatte ein Erdrutsch die Straße blockiert und es dauerte einige Tage, bis das Räumkommando das Geröll und den Schlamm beseitigt hatten. Rosi, die Frau mit dem Schild, fragte mich, was ich um Gotteswillen um diese Jahreszeit hier suche. So kamen wir ins Gespräch. Ich solle in Baever Creek in Ida`s Cafe auf sie warten. Warum nicht, ich konnte mich eh kaum bewegen.

„Ich bin frei wie ein Vogel. Kann tun und lassen, was ich für richtig halte. Ich werde von Menschen unterstützt, die meine Mission befürworten und mich achten. Ohne diese Menschen würde ich diese Exkursionen nicht durchstehen. Danke!“.

Rosi kam um 18.30 Uhr von ihrer Arbeit in das Cafe. Wir gingen zu ihr nach Hause*. Sie zeigte mir mein Zimmer, ließ ein heißes Bad ein und verschwand wieder. Das Bad war eine Wohltat für meinen geschundenen Körper. Es klopfte an die Badezimmertür, es war Rosi mit einem jungen Mann. Jesse, der junge Mann hatte magische Hände, denn er linderte meine Schmerzen nach dem Bad mit Akupressur. Doch sollte ich einige Tage pausieren, meinte er.
Rosi war das gewählte Oberhaupt der White River First Nation, eines Indianerstammes, der dort in dieser Region lebte. Alle Indianerstämme sind heutzutage miteinander verbunden. Am nächsten Tag fuhren wir zu einer indianischen „Pot Lach“, einer Beerdigung. „Was sollte ich auf einer indianischen Beerdigung?“ fragte ich Rosi. Ich gehörte doch nicht zur Familie. „Macht nichts, die Wenigsten kommen aus dem Familienkreis des Toten“.
Rosi erklärte mir, dass es zwei Indianerstämme in den Yukon Territorys gäbe, Wolf und Crow Indianer. Starb ein Crow, hielten die Wolf die Pot Lach ab und umgekehrt. Diese spirituelle Beerdigung dauerte manchmal länger als eine Woche. Es fand das Give-away statt. Jeder, der nicht zur Familie gehörte, bekam etwas geschenkt, und das waren manchmal zwei-, dreihundert Menschen, die außerdem versorgt werden wollten. Früher war es üblich, dass der Häuptling eines Stammes durch die Tradition des give-away der ärmste Mann im Stamm war. Das wäre in der westlichen Welt undenkbar!
Nun, wir hatten den Pot Lach erst am letzten Tag erreicht. Rosi, so schien es, musste hier her. Ihr Amt als Oberhaupt hätte sie sonst verloren. Nur ich kam mir überflüssig vor.
Nach weiteren Behandlungen von Jesse fuhr ich am 8.11.1992 weiter. Als es um 9 Uhr hell wurde bei -21°C, galt für mich: „hit the Road, Jack“ Nach vier Stunden radeln hatte ich

wieder Schmerzen. Die Stürze, die ich in den nächsten Tagen hatte, machten das Krankenbild auch nicht besser. Man kannte uns mittlerweile, den verrückten Deutschen mit seinem Hund. Zum Beispiel in der White River Lodge. Es war ein sehr langer Tag, der mit -22°C zu den kalten Tagen gehörte. Am Nachmittag zogen Schneewolken auf. Kurze Zeit später schlug das Wetter um. Wind kam auf und wurde von Stunde zu Stunde heftiger. Heftiges Schneetreiben setzte ein und schlug mir die Flocken ins Gesicht. Ich wollte schon unser Zelt aufschlagen, als ich im Schneetreiben Lichter sah. Es war die White River Lodge. Von Schnee eingehüllt, betrat ich das Restaurant. Keiner der Gäste oder der Besitzer hatten daran gedacht, dass noch ein Gast „hereinschneien“ würde. Man sprach mich an, bevor ich noch etwas sagen konnte: „Wir hatten schon gedacht, du seist ein Phantom. Jeder Gast, der hier war, fragte, ob du die White River Lodge schon passiert hättest“. Joh, der Besitzer, gab uns ohne lange zu fragen ein kostenfreies Zimmer. Shir Khan wurde versorgt und legte sich dann

aufs Ohr. Ich stieg unter die Dusche. „Kack! Was war mit meinen Füssen passiert?“ Sie waren knallrot mit kleinen blauen Schattierungen. Es sah aus, als hätte ich mir schon wieder die Füße verfroren.
Jetzt schaute ich mich einmal genauer an. Backenknochen und die Nase waren frostgeschädigt. Ich musste in Zukunft diese Stellen am Körper noch besser schützen. Wieder im Restaurant, bekam ich den bis dahin größten Hamburger, den ich je auf dem Teller gehabt hatte.

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Am nächsten Tag fuhren wir rundum glücklich weiter auf dem in einem schlechten Zustand befindlichen Alaska Highway. Am Koiden River wurde es extrem glatt. Spurrillen. Das Hinterrad rutschte weg, ich konnte den Sturz nicht mehr abfangen und knallte auf meine schon angegriffen Schulter. Ein Truck hielt an und wies mich daraufhin, dass ein Blizzard mit über 90km/h auf uns zukommen würde. Ich drehte um und fuhr wieder zurück in die White River Lodge. Der Blizzard schlug nur wenigen Minuten später zu und dauerte bis zum Mittag des nächsten Tages.
Ich half Joh Holz zu stapeln und das Kühlaggregat zu reinigen. Das war das mindeste, was ich tun konnte. Weiter ging es am 11.11.1992, einem Tag, den ich nie mehr vergessen sollte. Es war Splitt gestreut worden. „Ganz toll!“ rief ich den Streufahrzeugen hinterher, als die kleinen Steine auf das Metall meines Gefährtes schlugen.
Der Tag wurde schön, die Wolkendecke riss auf und man konnte die Bergwelt der Saint Elias Mtns. in vollen Zügen genießen. Klarer Tag, die Kälte schlug wieder zu mit -29°C.

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WOLFSRUDEL
Um 17.30 Uhr überquerten wir den Donjak River und bogen gleich hinter der Brücke ab auf das riesige ausgewaschene Flussbett, wo ich unser Nachtquartier aufschlug.
Durch das helle Mondlicht war der Flussverlauf des Donjak River bis hinauf in die Steele Mtn. zu sehen. Beim Aufschlagen des Zeltes wirbelte der Schnee auf. Durch die eisige Kälte (-32°C) sah der herabfallende Schnee aus wie das Glitzern von Lametta an einem Weihnachtsbaum.
Das Infinity (Zelt) stand schnell. Doch das Abspannen bereitete mir bei diesem hart gefrorenen Boden etwas Probleme. Da die Zelthaken nicht in den Boden verankert werden konnten, mussten Steine und schwere Äste die Sicherung des Zeltes übernehmen. Noch ein bisschen Schnee an den Rand des Zeltbodens, damit kein Wind hindurch weht und fertig. Jetzt schnell raus aus den verschwitzten Klamotten.
Shir Khan hatte sich währenddessen in den Schnee eingetreten, ließ sich müde nieder und wartete auf sein Fressen. Seine schon in Mitleidenschaft gezogene Nase versteckte er zwischen den Hinterläufen.
Ich suchte trockene Äste, um ein Feuer zu machen. Aus daumendicken Zweigen, die ich nebeneinander legte, bildete ich erst einmal einen trockenen Untergrund. Darauf konnte ich nun das Feuernest aufbauen. Ich hatte immer ein bisschen Birkenrinde (das wie Papier brennt) und Baumharz bei mir, um eben schnell ein wärmendes Feuer entfachen zu können.
Mein Thermometer zeigte mir mittlerweile -34°C an. Ich versuchte schnell zu arbeiten, doch die Bewegungen waren relativ langsam. Endlich war es geschafft. Die Wärme strahlte Behaglichkeit aus und das Knistern des Feuers erfüllte mich mit einer wohltuenden Ruhe.
Das Feuer hatte mich nach einer Weile wieder aufgewärmt und die Bewegungen waren nicht mehr so steif. So, nun bekam erst einmal Shir Khan sein verdientes Fressen.
In der Ferne war das Geheule von Wölfen zu hören. Shir Khan hob den Kopf und lauschte aufmerksam. Dann versteckte er wieder seine Nase. Somit hatte ich keine Bedenken.
Jetzt brauchte erst einmal mein Körper etwas zu essen. Was bot denn die Küche so an? Nudeln, TVP (Gemüse-,Vitamin-, Proteingranulat), Brühwürfel und ein bisschen Brot. Nun, das gab einen dicken breiigen Nudeleintop. Es ist immer wieder überraschend, wie viel Schnee man in den Topf füllen muss, um einen Liter Wasser zu bekommen. Wieder hörte man in der Stille der Nacht dieses Wolfsgeheul. Doch dieses Mal stand mein Freund auf. Das Geheul war viel näher gekommen, doch noch beunruhigte es mich nicht.
Mit der Machete schlug ich einige dicke Äste in gleichlange Stücke und bildete ein Gerüst, auf dem das Holz automatisch ins Feuer nachrutschen sollte. Theoretisch war das O.K., doch praktisch klappte es nicht so, wie ich es mir gedacht hatte.
Der Eintopf war schnell fertig. Der Brei war heiß und schmeckte gut. Auch der Tee brodelte schon in der Kanne. Es war 19.25 Uhr, das Thermometer zeigte mir -36°C an. Somit war es die kälteste Nacht seit unserem Aufbruch von Anchorage.
Noch ein paar dicke Stämme mit der Spitze ins Feuer, (es soll sich langsam durchfressen) so dass ich am nächsten Morgen genügend Glut für ein neues Feuer hatte. Shir Khan kam zu mir ins Innenzelt, was bis dahin noch nie der Fall war.

Ich kroch in den Daunenschlafsack und zog den Kunstfaserschlafsack darüber, sodass nur noch die Mundöffnung frei war. Shir Khan lag dicht neben mir und so schliefen wir ein.
Irgendwann knurrte Shir Khan sehr böse. Ich schreckte auf. Etwas schlich um das Zelt. Ein Bär? Nein, die sind alle im Winterschlaf – oder? Verdammt, wo war denn der Reißverschluss?? Nur keine Panik, Randy, sagte ich zu mir. Wo war der Revolver? Dort, wo er immer liegt, rechts neben Dir. Raus aus den Schlafsäcken, Huah! Mann, war das kalt! Ich öffnete langsam den Reißverschluss vom Innenzelt. Shir Khan hinter mir wollte zuerst hinaus. Doch irgendetwas sagte mir, dass ich ihn nicht herauslassen sollte. Ich drückte ihn auf den Boden und machte ihm ohne Worte klar, dass er hierzubleiben hatte. Auf der Uhr war abzulesen: 3.59 Uhr, -36°C. Langsam zog ich den Reißverschluss des Außenzeltes auf und schlug die Zeltwand zur Seite.
Ich hatte keine Handschuhe an. Auf allen Vieren kroch ich nach vorne. Als ich aufblickte, schnellte mein Puls in die Höhe: Drei Meter vor mir, noch hinter der immer noch klimmenden Glut des Feuers, schauten mich zwei Augenpaare an. Wölfe! Timperwölfe! Große, graue Timperwölfe. Mir rutschte das Herz in die Hose. Meine Hände waren steif vor Kälte, und ich wagte mich nicht, sie zu bewegen. Shir Khan war überraschend ruhig geworden.
Die Augen starrten mich an. Mein Atem stockte. Was sollte ich tun? Alle Dinge, die ich über Lupus wusste, waren aus meinem Gedächtnis verschwunden. Wölfe hatten noch nie einen Menschen angegriffen, es sei denn, sie seien schwer verletzt. Ich fasste allen Mut zusammen und stieß einen Schrei aus. Etwas beeindruckt wichen die Wölfe zurück. Auf den Knien, die Wölfe im Blick, rutschte ich langsam nach vorn.
Nur gut, dass die Nacht so hell war, so konnten die Wölfe mich gut sehen. Ich roch zwar wie ein Hund, doch ich war ein Mensch. Eine Kreatur, die den Wolf schon seit Jahrhunderten jagte, was bestimmt in den Genen der Wölfe verankert war. Ich machte mir vor Angst bald in die Hose, zumindest steckte dort mein Herz in dem Moment.
Ich hatte die Glut meines Feuers erreicht. Auch vor Feuer hatten die Wölfe Angst. Zum ersten Mal nahm ich die Hände aus dem Schnee und ging in die Hocke. Unter den wachsamen Augen meiner „Feinde“ legte ich dünne Zweige auf die Glut. Wenn sie wirklich etwas von mir gewollt hätten, hätten sie doch schon angegriffen. Das Feuer flackerte auf und gab mir Mut zurück. Plötzlich verschwanden die beiden Wölfe. Ich erhob mich und schaute über das Zelt in Richtung Fluss. In ca. 30 m Entfernung liefen weitere sechs Wölfe aufgeregt hin und her. Die zwei Wölfe stießen dazu. Es war ein Bild, wie man es kaum beschreiben konnte. Ich werde es nie vergessen.
Es schien, dass sie nicht wussten, was sie tun sollten. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen: die wollten Shir Khan.
Ich feuerte weiter. Man sah, dass sie dadurch unruhiger wurden. Ich fasste noch einmal allen Mut zusammen, schrie und warf brennende Äste in ihre Richtung. Nach einer gewissen Zeit suchten die Timberwölfe das Weite.
Ich stand frierend und angespannt da und schaute ihnen nach. Es war sechs Uhr, als ich mich wieder in mein Zelt zurückzog. Ich sass in meinem Schlafsack, Shir Khan schaut mich an, als würde er mir sagen wollen “hast du gut gemacht!”. Es war auf jeden Fall kein Fehler, Shir Khan im Zelt zu lassen. Hatte er gewusst, dass vor dem Zelt sein Tod lauerte, oder auch vielleicht meiner?
Ich zog den zweiten Schlafsack über die Schulter. Um 9.00 Uhr wachte ich wieder auf. Ich saß immer noch da. Hatte ich mit offenen Augen geschlafen, oder war ich sonstwie weggetreten? Was hatte ich gemacht, was hatte ich gedacht? Ich wusste es nicht. Nur die Angst steckte noch in mir.
Der Tag brach an und verdrängte die Nacht und das, was in ihr passiert war. Nur die Spuren im Schnee waren Zeuge dieser Begegnung und sagten mir, dass dies kein Traum war. Shir Khan schnüffelte den Spuren nach, hüpfte herum und brachte mich wieder zum Lachen. Der heiße Tee tat gut. Ich packte zusammen und dachte immer wieder an dieses Erlebnis.
Bei stürmischem Schneetreiben führte uns die ALCAN durch St. Elias Mountain s. Es erforderte wieder unsere ganze Kraft, durch den losen Schnee zu fahren. Wir erreichten das Burwash Landing Resort am Kluane Lake bei mile 1093 der Alska Highway. In der Lodge bekamen wir von Agnes Jonson etwas Warmes zu Essen. Geeil Cox, der auch dort arbeitete, hörte unserer Geschichte mit den Wölfen gespannt zu. Ja, sagte Geeil, die „Jungs“ fressen in harten Wintern gerne mal einen Hund, wenn sie nichts anderes bekommen.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter. –25°C. Irgendetwas scheuerte und schliff am Rahmen. Schnee? Nein, was war es dann? Auf den ersten Blick konnte ich nichts finden. Nach 4 Kilometern der erste Plattfuß. Beim Versuch, die Reifen aufzupumpen ging die Luftpumpe kaputt. Wieder zurück zur Lodge. Das Rad stand nun mitten im Restaurant. Noch konnte ich die Felge nicht anfassen, weil diese so kalt war, dass meine Haut daran festklebte. Agnes rief einen Bekannten an, der vor langer Zeit aus Deutschland gekommen und dageblieben war.
Während ich und Burnie, der Manager, den Reifen flickten und nachschauten was der Grund für das Schleifen der Felge am Rahmen war, kam Achim Obermayer, genannt Obie.
Obie war in Erfurt ( in der damaligen DDR) und war dann in den Westen geflüchtet.*
Gegen Mittag war das Rad wieder einsatzbereit. Das Schleifen war wie von Geisterhand verschwunden. Ich nehme an, durch die enorme Kälte (das Rad stand immer vor dem Zelt), war der Rahmen verzogen und durch die Wärme hatte er sich wieder gerichtet.
In Haines trafen wir auf Peter Kessler, von Beruf Zahnarzt. Er stoppte uns ganz aufgeregt auf der ALCAN und dann wusste ich auch warum. Wir kannten uns aus Altenstadt aus dem Fitnesscenter.* So klein ist die Welt. Er machte mit seiner Frau Andrea Urlaub im Yukon und hatte vor, dort ein Anwesen zu kaufen.

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Bei der Weiterfahrt nach Whitehorse erhoben sich östlich des ALCAN die Berge Mt. Logan 5959m und Mt. Hubbard mit 4577m. Wir hatten Rückenwind und Sonnenschein, es war „warm“ -6°C.
Die vielen Kurven des alten ALCAN waren hier und da von dem neuen, begradigten Alaska Highway aus zu sehen. Der Alaska Highway oder auch ALCAN genannt, wurde im zweiten Weltkrieg gebaut.*
Am 23.11.1992 fuhren wir von Whitehorse, der Hauptstadt der Yukon Territories, in Richtung Watson Lake. Zwischenzeitlich hatte ich gute Tipps von den Einheimischen bekommen. Zum Beispiel, dass man die Füße mit Cheyennepfeffer einreiben und in Plastiktüten verpacken soll, um Erfrierungen vorzubeugen. Johnson`s Crossing, Teslin Lake waren die nächsten Stationen. Streufahrzeuge warfen lose Erde auf die Straße. Das Zeug vermischte sich mit dem Schnee und setzte sich an Kette und am Rahmen fest, so dass ich das Rad alle paar Kilometer von dieser klebrigen Masse befreien musste. Wir durchquerten die Cassiar Mountains und fuhren nun in British Columbia ein.
Mitte Dezember ging nichts mehr. Die leichten Erfrierungen mussten behandelt werden. An einer Tankstelle namens Contakt Creek hielt ich an und versuchte eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Nach zwei Tagen hatten wir eine Fahrt per Truck nach Dawson Creek gefunden. In der Stadt erholte ich mich etwas und fuhr nach zwei Tagen weiter in Richtung Prince Georg. Von dort fuhren wir auf dem Yellowhead Highway weiter in Richtung Smithers. Zwischen Terrace und Prince Rupert, in den Hazelton Mtn. wurden wir in der Nacht vom 21. auf 22. Dezember nicht unweit von der Hauptstraße total eingeschneit. Es schneite so heftig, dass es unmöglich war weiterzukommen.
Da ich in dem Glauben gewesen war, dass ich nur noch zwei Tage von Terrace zum Fährhafen nach Prince Rupert brauchte, hatte ich nur noch meinen Reserveproviant. Die Ration bestand aus T.V.P., Brühwürfeln, Tee und ein paar Müsliriegeln. Für meinen Freund hatte ich immer genügend Hundefutter dabei. So bestand mein Weihnachtsmenu aus Hundefutter mit einem dezenten Geschmack von Brühwürfel.
Angetrieben vom Hunger, kämpfte ich zwei Tage lang, um meine Ausrüstung an den Straßenrand zu bringen*.

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Am Neujahrsabend waren wir in Prince Rupert und nahmen am ersten Januar 1993 die Fähre Queen of the North nach Port Hardy auf Vancouver Island.

GLENWOOD SPGS.-DELTA-TELLURIDE-277KM COLORADO TELLURIDE-LIZARD HEAD PASS
CORTEZ-DUROGO-227KM COLORADO MESA VERDE NP.-DURONGO SILVERTRAIN
FARMINGTON-SANTA FE-416KM. NEW MEXICO AZTEC RUINS-SANTA FE
AMERILLO-OKLAHOMA-864. TEXAS
OKLAHOMA CITY-MUDROW-721km. OKLAHOMA
FORT SHMITH-LITTLE ROCK-W.MEMPHIS-A-445km. ARKANSAS
NASHVILLE-KNOXVILLE-608km. TENNESSEE
MARYVILLE-SYLVA-ASHEVILLE-115km. NORTH CAROLINA GREAT SMOKY MT.
CHARLOTTESVILLE-HEIMFLUG-FFM-661km NORTH CAROLINA BIUE RIDGE PARKWAY
KANADA-US-ALASKA
VANCOUVER-BELLINGHAM-HAINES-158km. ALASKA FÄHRFAHRT NACH ALASKA
HAINES JUNCTION-TETLIN JCT.717km. YUKON HAINES ROAD-KLUANE LAKE
TOK-FAIRBANKS-ANCHORAGE-936km. ALASKA TANANA RIVER-ALASKA PIPELINE-GEORGE PARKS HGW.
MATANUSKA VALLEY-GLENALEN- 422 ALASKA SLEEPING LADY-MATANUSKA VAELLY U.GLETSCHER
GAGANA JCT. TOK-337km. ALASKA REGION MENTASTA PASS
TETLIN-BEAVER CREEK-HAINES JCT.-311km. YUKON ALASKA HGW.-DONJEK RIVER
WHITEHORSE-WATSON LAKE-409km. YUKON ALASKA HGW.-
FORT NELSON-DAWSON CREEK- 1.066km. BRITISH COLUMBIA ALCAN
PRINCE GEORGE-PRINCE RUPERT-1.052km. BRITISH COLUMBIA YELLOWHEAD HGW.