SHIR KHAN EXKURS.1991

Ende November 1990 kamen wir wieder „nach Hause“. Am Flughafen wurden wir von meiner langjährigen Freundin Regina, meinem Halbbruder Andreas, dem Eigentümer der Firma Zweirad Schmidt und einigen Medienvertretern empfangen. So einen Empfang hatte ich nicht erwartet.
Noch am selben Abend fuhren Shir Khan und ich nach Ostheim. Als wir am Ortsschild vorbei fuhren, wurde Shir Khan auf dem Rücksitz sehr nervös,. Als wir die Gaststätte „Kegelbahn“ erreicht hatten, war er kaum zu bremsen. Die Autotür ging auf, Shir Khan schoss in die offene Eingangstür der Gaststätte und setzte sich schwanzwedelnd vor den Essensaufzug. Dort waren immer die guten Rindswürste heruntergekommen, mit denen Gerd Lauth, der Kneipenwirt, ihn gefüttert hatte. So war es auch diesmal. Anschließend begrüßte mich Gerd machte mich darauf aufmerksam, dass an diesem Abend Vorstandsitzung des Tennisclubs sei und viele meiner Bekannten dort wären.
Es war die Jahresabschlussfeier, in die wir hineinplatzten.
Man freute sich, uns zu sehen und ging zum Trinkgelage über, was völlig normal war. Doch schon nach kurzer Zeit entdeckte ich, dass ich einen gewissen Abstand von den Kumpels gewonnen hatte. Ich hatte ein anderes Leben kennengelernt.
Die Clique, mit der ich vor meiner Reise zusammen war, diese Kumpels und Freunde hatten sich im Grunde nichts mehr zu sagen. Oder fasste ich das nur so auf?
Diese nichts aussagenden, inhaltslosen Gespräche, diese negativen Aussagen, das Übereinander herziehen und das Gerüchteverbreiten über Personen, die nicht anwesend waren und sich nicht dagegen wehren konnten. War das schon immer so, und war ich auch so ein Feigling gewesen?

Das Gemeckere gegen alles und jeden und keiner fasste sich an die eigene Nase.
Das alles fiel mir jetzt erst auf.
Meine Freunde Bettina und Werner Reber waren auch da. Spät an diesem Abend hatte ich mit Werner ein ernsthaftes Gespräch, wenn man das so nennen konnte, da wir beide schon etwas angetrunken waren.
Aber wie sagt man so schön: Betrunkene und Kinder sagen die Wahrheit. Ich fing an zu reden über die Erfahrungen, die ich gesammelt hatte. Ich erzählte von der Hilfsbereitschaft und Unterstützung der Menschen, von der Initiative, die ich nach dem Kontakt mit den Krebspatienten in Montreal entwickelt hatte, und dass ich mit meiner Geschichte vielen Menschen helfen konnte, die sich schon aufgegeben hatten.
Werner fand das alles toll, aber er meinte, Menschlichkeit gäbe es bei uns nicht mehr. Jeder sei sich selbst der nächste. Unsere Gesellschaft sei korrupt und brutal geworden. Wenn man nicht mit dem Strom schwimmen würde, ginge man unter. Das sei zwar traurig, aber nicht von der Hand zu weisen.
Als Beispiel erzählte er mir eine Geschichte:
Er hatte eine Autolackiererei und viele sogenannte „Freunde“ kamen zu ihm, wenn sie einen Schaden am Auto hatten. Diesen „Freunden“ machte er dann einen guten Preis. Von anderer Seite erfuhr mein Freund dann, dass einer sich bei anderen Lackierereien Preise eingeholt hatte, um zu sehen, ob es noch günstiger gehe. Das könnte man ja gerade noch so verstehen. Aber nicht zu verstehen war, dass derjenige später erzählt hätte, was man doch für ein Idiot sei, es so billig gemacht zu haben. Man würde nur ausgenutzt. Auch ich würde ausgenutzt oder hätte ich jemals Geld für meine Story bekommen?
Ich argumentierte, dass ich durch meine Story vielen anderen Menschen Lebensmut zurückgeben hätte. Menschen schauten zu mir hoch, bekämen wieder Hoffnung und gäben mir dadurch wieder neue Kraft. Und vor allem würde ich bekommen, was ich schon immer suchte, nämlich Anerkennung.
Aber er wollte wissen, ob ich ewig durch die Welt radeln wolle und was in Deutschland mit meinem Engagement wäre.
Wenn potentielle Arbeitgeber hörten, dass ich Krebs habe, bekäme ich in Deutschland keinen Arbeitsplatz.
Aber genau das war es doch, was ich zeigen wollte, dass es ein Leben mit Krebs gab.
Vor drei Jahren war mir die Rente angeboten worden. Ich hatte sie abgelehnt, da ich dachte, ich sei zu jung. Wohin hatte mich mein Stolz gebracht? Ich war wieder zu Hause, hatte kein Geld und keine Wohnung, und nur weil du ein guter Kerl bist gibt dir keiner ein kostenloses Dach über den Kopf. Ich steckte bis zum Hals in der Scheiße!
In Amerika hatte ich viele Menschen getroffen, für die ich ein Strohhalm war. Es gab dort Menschen, die uns auf der Straße anhielten und sagten „weiter so!“ und uns mit ein paar Dollar unterstützten.
Aber hier in Deutschland war ich nur auf Ablehnung gestoßen.
Mein Freund meinte, dass die Spendenfreudigkeit der Amerikaner nur dazu diene, ihr Gewissen zu beruhigen.
Wie konnte mein bester Freund nur so reden? Ich wusste, dass Werner einer der wenigen war, die im Kern gutmütig waren. War es schon eine Schande in Deutschland, gutmütig zu sein? Und war es so, dass in unserer Gesellschaft langsam die Flamme der Menschlichkeit erlosch? Hatte mein Freund recht?

Am 12.11.1990 hatte ich einen Termin in der Universitätsklinik in Frankfurt. Die Schwestern in der Poliklinik kannten mich noch und schäkerten mit mir herum. Sie fragten nach, wie es mir und Shir Khan nach der strapaziösen Tour ergangen war. Ich spielte den großen Mann. Warum sagte ich nicht, dass ich in einer schlechten psychischen Verfassung war wegen des Melanoms? Denn in Wirklichkeit hatte ich Angst vor der Untersuchung beim Arzt. Diesen sprach ich mit ´Doktor` an, da ich nicht wusste, dass er den Titel `Proffessor`trug. Aber der scheinbar allmächtige Mann in weiß machte mich sogleich darauf aufmerksam, dass er Professor sei und kein Doktor.
Dann fragte er mich Dinge, die überhaupt nichts mit meiner Sache zu tun hatten, z.B. was denn meine Frau dazu sagen würde, dass ich in der Weltgeschichte herumflog. Ich sagte ihm, dass ich nicht verheiratet sei, aber dass es trotzdem Frauen in meinem Leben gäbe. Diese Antwort gefiel dem Prof. überhaupt nicht. Der Mann war wohl sehr bibelfest, da er mir im folgenden die passenden Bibelferse zitierte. Ich bin jedoch schon immer der Meinung, dass Gott Natur, Energie und Evolution ist. Da prallten zwei Welten aufeinander.
Zehn Minuten lang redete er über den Glauben, zwei Minuten lang kontrollierte er die Pigmente auf meinem Körper. „Kein Grund zur Beunruhigung“, sagte der Professor, „das ist kein Melanom“. Dies beruhigte mich zwar zu diesem Zeitpunkt, da ich die Nase von Bibelsprüchen voll hatte, aber warum wurde das Pigment denn größer, fragte ich ein letztes Mal den Professor. Darauf meinte er, dass sie es vorsorglich herausoperieren wollten und gab mir einen Termin.
Damals wohnten wir ein paar Tage bei meiner Mutter. Aber alle Bekannten und Freunde wohnten in Nidderau, deshalb versuchte ich verzweifelt, eine Wohnung in Windecken oder Ostheim zu finden.
Ich traf auf Werner Leibold, der in Nidderau ein Optiker Geschäft eröffnet hatte. Dieser Mensch hatte Verständnis für meine Lage und akzeptierte mein Handeln. Im ersten Stock hatte er eine Bürowohnung, die bis Ende Februar nicht genutzt werden würde und die er mir kostenlos zu Verfügung stellte. Somit hatten wir in Nidderau erst einmal ein Dach über dem Kopf.
Mitte November hatte ich den Einweisungstermin in die Universitätsklinik nach Frankfurt zur Pigmententfernung. Während des Krankenhausaufenthaltes passten Bettina und Werner Reber auf meinen Freund Shir Khan auf.
Ich öffnete die alte, schwere Tür der Poliklinik und keine schönen Erinnerungen wurden wach. Schweren Schrittes ging ich die Treppe hinauf zur Station 24.
Beim Vorgespräch mit dem operierenden Arzt wies dieser mich darauf hin, dass es zu einer Bewegungseinschränkung am Fuß kommen könnte. Auch war der Arzt überrascht, weil der bibelfeste Professor einige Pigmente übersehen hatte, die auch dringendst hätten entfernt werden müssen.
Das wachsende Pigment am linken Knöchel stellte den operierenden Arzt vor eine kleine Herausforderung, weil es sich an einer ungünstigen Stelle des Fußes befand.
Das Ergebnis würde ich beim Fäden ziehen bekommen. Der Befund lautete: Level 2-3 High Risk Melanom.
Ich hatte es gewusst! Der behandelnde Arzt sah mir an, dass ich langsam zusammen fiel. Vermutlich hätten die Kollegen genug ausgeräumt, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, sagte er schnell. Wie oft hatte ich das schon in den letzten Tagen und Wochen gehört. Das Wort „vermutlich“ machte mich nicht sehr glücklich.
Der Arzt wies mich noch darauf hin, falls man noch weitere Maßnahmen ergreifen müsste, würde die Narbe mit Sicherheit eine Gebehinderung bedeuten. War dies ein Wink mit dem Zaunpfahl? Hatten die Ärzte doch nicht alles herausgeholt?
Ein Professor wurde noch zu diesem Gespräch hinzu gerufen. Das machte die Sache auch nicht besser. Warum, fragte ich mich, wurde dieser Professor noch hinzugezogen, wenn es doch nicht sooo schlimm war. Ich war seelisch am Boden und mir war zum Heulen zumute.
Danach hatte ich einen schweren seelischen Durchhänger und musste schnell zu meiner inneren Stärke zurückfinden, und dann nichts wie weg aus Deutschland.
Im Januar 91 fuhren wir zu Uli Dausin, dem Gründer von Jack Wolfskin. Uli war sehr erfreut über unser Erscheinen, da ich ihm einige Male von unterwegs geschrieben hatte. Seine Erfahrungen mit von ihm gesponserten waren nämlich nicht sehr positiv. Er sorgte dafür, dass seine Firma mir eine komplette Ausrüstung sponsorte.
Außerdem wurden in den nächsten Tagen einige Ausrüstungsgegenstände nach meinen Angaben angefertigt.
Da es finanziell wieder eng wurde und ich auch während meines Aufenthaltes in Deutschland keinen Job gefunden hatte, beantragte ich die von mir 1987 abgelehnte Rente. Doch dieses Mal wurde der Antrag von den Behörden abgelehnt.
Wurde mir die Rente Ende 1987 angeboten, weil laut Statistik jemand bei meiner Erkrankung nur eine Lebenserwartung von sechs bis zwölf Monaten hatte? Und erkannte man nun, dass die Statistik bei mir nicht zum Tragen kam? Nach dem Moto „der lebte ja immer noch“!?
Dies dachten nicht nur die Behörden, sondern auch viele Bürger in unserer Kleinstadt. Der lebt ja immer noch, da ist doch was faul. Der drückt sich vor der Arbeit, dieser Schmarotzer.

Ende Januar musste ich wieder zum bibelfesten Professor R. in die Poliklinik. Natürlich kein Wort davon, dass er sich getäuscht hatte. Ich erzählte ihm, dass ich manchmal Schmerzen unter dem rechten Arm hätte, dort wo mir die Lymphdrüsen bei der ersten Operation 1987 entfernt worden waren. Aber er meinte, es wäre nur die Spannung von der Narbe. Zum Abschluss sollte dann doch noch ein Pigment entfernt werden, es wurden dann wieder drei.

Ein Bericht über uns erschien deutschlandweit in der Frankfurter Rundschau. Daraufhin wurden einige Magazine wie Quick und Neue Revue auf uns aufmerksam. Im Anschluss an die Interviews hatten wir einen gut besuchten Diavortrag in der Schlossberghalle in Nidderau. Das einzige, was mich daran störte, war die Tatsache, dass von meinem sogenannten guten Bekannten außer Volker Jost keiner kam.
Ich hatte mir wieder 2000.- Mark zusammengespart, so dass wir am 16.3.1991 einen gesponserten Flug der Lufthansa nach New York antreten konnten.
Am Flughafen Newark/New York wurde ich zum Infoschalter gerufen. Mein entfernter Onkel Dan, der mich abholen wollte, war am Telefon. Er könne uns erst am nächsten Morgen um 7.30 Uhr abholen.
Die Damen vom Lufthansa Infostand waren sehr angetan von Shir Khan. Die ganze Nacht mit Shir Khan auf dem Flughafen zu verbringen, war nicht gerade das, was ich am Beginn unserer Reise vorhatte. Eine junge Dame von der Lufthansa hatte Mitleid mit uns und lud uns zu sich nach Hause ein. Unsere Ausrüstung durften wir im Büro der Lufthansa verstauen.
Am Morgen gegen 5.30 Uhr führte ich erst einmal Shir Kahn Gassi, kam zurück und weckte die junge Dame. Wow, war diese in einen Kalkeimer gefallen? Ich fragte, ob alles mit ihr Ok wäre. Ja, es wäre alles gut, doch hätte sie früher ab und zu mal einen Epileptischen Anfall gehabt. Aber ich bräuchte mich nicht zu sorgen, der letzte Anfall läge schon Jahre zurück. Dann plötzlich hörte ich ein Krachen und Poltern aus dem schmalen Bad. Durch den Türspalt konnte ich sehen, dass Jessika auf dem Fußboden lag. Ihr Körper lag quer vor der Tür. Nur mit Kraft konnte ich sie mit der Tür nach hinten drücken. Blut rann aus ihren Mundwinkeln. Ich redete ruhig auf Jessika ein und brachte sie in eine stabile Seitenlage. Dann rannte in die Küche und suchte Essig.

Der bissige Geruch lies Jessika langsam wieder zu sich kommen und sie erholte sich wieder. Die Gesichtsfarbe kehrte zurück, sie erholte sich wieder. Von diesem Vorfall sollte ich bitte nichts ihrem Chef sagen.
Am Flughafen holte uns Dan, wie verabredet, mit seinem museumsreifen Doge Pick Up ab. Er brachte uns nachhause. Dans Frau freute sich, uns wieder zu sehen.

Am 20.März 1991 startete ich meine nächste Exkursion in Nordamerika. Wir radelten wir durch die Slums von Brooklyn in Richtung Down Town, New York.. Shir Kahn strahlte auf seinem Anhänger eine solche Autorität aus, dass nicht einer dieser Afroamerikaner nur daran dachte, in die Nähe unseres Gefährts zu kommen.
Es war schon ein, wahnsinnig prickelndes Gefühl, über diese alte ehrwürdige Brooklyn Bridge zu fahren, um dann nach Manhattan in diese Betonwüste aus Wolkenkratzer einzutauchen. Man bekam Angst und ich hatte das Gefühl, von diesen Giganten der Baukunst erschlagen zu werden.
Hunderte von Menschen rechts und links auf den Gehwegen, der Lärm von Autohupen und quietschenden Reifen. Dazwischen der schrille Pfiff eines verkehrsregelnden Polizisten. Diese Polizisten, so schien es, waren die einzigen Menschen, die mit erhobenem Haupt geradeaus schauten.
Durch die Tunnels unter dem Hudson River durften wir selbstverständlich nicht. Auf den Brücken über den Hudson Fluss durften wir auch nicht. So blieben uns nur noch die Fähren nach New Jersey. Doch die Kapitäne ließen Shir Khan nicht an Bord. Was nun?
Die nächste für uns befahrbare Brücke über den Hudson River fahren befand sich 100km weiter nordöstlich. Mit einem Sitzstreik vor dem Eingang einer der Fähren erweckte ich Aufmerksamkeit bei einigen der Fahrgäste. Ein Mann sprach mit dem Kapitän, der nun Erbarmen zeigte und uns trotz Hundeverbot doch mitnahm.
In New Jersey nahm ich mit der American Cancer Society Kontakt auf. Man erlaubte mir, in ihrem Namen zu Spenden aufzurufen, aber persönlich durfte ich keine Annehmen. Das war die einzige Hilfe der Society. Wer half hier wem?

NEW YORK, NEW JERSY. PHILADELPHIA; WASHINGTON,SKYLINE DRIVE; SHENANDOHA N.P. VIRINIA;APPALACHIAN MTNS. NORTH CAROLINA. BLUE RIDGE PARKWAY. TENNESSEE; KENTUCKY, ILLINOIS, MISSOURI, KANSAS, COLORADO:

Weiter ging es nach Pennsylvania. Auf dem Highway 32 schnitt sich Shir Kahn tief in den Fußballen. Das Blut pulsierte aus der Wunde. Ich reinigte die verdreckte Wunde und legte einen Druckverband an. Der Schnitt war so tief, dass der Fußballen auseinander klaffte.
Der Verband war sofort mit Blut durchtränkt. Tesaband wickelte ich zusätzlich um den Druckverband, so dass die Wunde zusammengepresst wurde. Es war natürlich nur ein Provisorium, Shir Khan brauchte einen Tierarzt. Es dauerte zwei volle Tage, bis wir am 30. März bei einem Veterinär in der Universität von Pennsylvania vorsprechen durften. Shir Khan wurde für wenig Geld operiert. Einen ganzen Kasten Mullbinden und Medikamente bekamen wir noch mit.
Shir Khan konnte lange nicht laufen. Der Koloss von 45kg saß in seinem Hänger und ich strampelte mich ab. Das ging soweit, dass meine Knie anschwollen und schmerzten.
Zum ersten Mal sah ich breite Fahrradwege links und rechts der Fahrbahn. Doch ich wurde schnell eines besseren belehrt. Es handelte sich nicht um Radwege, sondern Fahrwege für die Buggies, Pferdewagen der religiösen Gruppe der Amish. Diese Menschen verweigerten sich jeglicher Veränderung der modernen Zeit. Auf dem Feld rechts ein Farmer mit modernem Pfluggerät und Traktor. Auf der anderen Seite der Amish mit seiner traditionellen Bekleidung, Strohhut, weißem Baumwollhemd, schwarzer Jacke und Hose, und einem hölzernen Pflug, den das Pferd mühsam durch die Erde furchte.
Wir besuchten die Bürgerkriegsstadt Harrisburg, da mich der Amerikanische Bürgerkrieg sehr interessierte. Danach ging es weiter nach Gettysburg, wo ich bei Studenten in einem der alten Häuser aus der damaligen Zeit übernachtete. Dort überfiel mich während der Nacht eine seltsame Unruhe. Hinter der Stadt befand sich das Schlachtfeld der Entscheidungsschlacht des blutigen Bürgerkrieges.
Am 18.April erreichten wir nach 780 km die Hauptstadt Washington und sahen uns die Museen, das Linkoln Memorial und die schwarzen Marmortafeln an, in die tausende von Namen der Opfer des Vietnamkrieges eingraviert waren.
Egal, in welcher Großstadt wir auch waren, ich versuchte immer und immer wieder, mit der American Cancer Society Kontakt aufzunehmen und stieß auf taube Ohren. So musste ich meine eigene Kampagne starten.

Die lokalen Zeitungen in vielen Kleinstädten waren sehr hellhörig und berichteten über unsere Reise und deren Zweck. Es war jedoch unmöglich, telefonisch einen Kontakt mit den überregionalen Zeitungen aufzunehmen.
In Parceville/ Virginia, wurde nach einem Interview der noch immer fußkranke Shir Khan von einem Irish Setter angegriffen. Beim Trennen der Beiden hatte ich das Nachsehen, mir wurde die linke Hand durchgebissen.
Über die Stadt Front Royal fuhren wir auf dem Skyline Drive, durch Waynesboro und dann weiter auf dem Blue Ridge Parkway. Diese Straßen führten uns durch die Naturschönheiten der Appalachen, dem Shenandoah National Park.

Meine Schmerzen unter dem rechten Arm wurden von Tag zu Tag heftiger. Am Ende des Blue Ridge Parkway fuhren wir in den Ort Sylva in North Carolina. Dort trafen wir auf Jane, die in einer Foodbank arbeitete, eine Art „Tafel“. Kostenfreies Essen für in Not geratene Menschen. Während ich unser Zelt hinter dem Gebäude aufschlagen durfte, wurden wir von dem Besitzer eines Fischrestaurants beobachtet. Der Besitzer, Glenn, brachte uns nach einer Weile etwas zu Essen herüber und fragte, wie lange wir bleiben wollten. Da ich vor Schmerzen erst einmal nicht weiter fahren konnte, lud uns Glenn zu sich nach Hause ein.
Am nächsten Tag führte Jane ein Gespräch mit Ruth Potter von der ACS wegen eines Vortrages vor einer Gruppe Krebskranker, den ich halten wollte, als ich einen Knoten unter meinem rechten Arm verspürte. Es wurde sofort eine Untersuchung veranlasst, bei der sich herausstellte, dass ich einen Tumor von der Größe einer Walnuss hatte.
Ich hatte Glück und musste nicht, wie befürchtet, zurückfliegen, um mich in Deutschland operieren zu lassen. Das Krankenhaus in Ashville erklärte sich bereit, diese Operation für mich kostenlos auszuführen. Das geschah am 20. Mai. Operiert wurde ich von Dr.Moffat. Man entfernte mir einen 2 cm großen Tumor aus der rechten Unterarmachsel. Er war gottseidank negativ und damit waren keine Krebszellen vorhanden. So viel zu den von Professor R. in Deutschland diagnostizierten Narbenschmerzen.
Ich wurde vom Krankenhaus gebeten, den Medien, wie z.B. dem Ashville Citizen meine Geschichte zu erzählen.

Danach sprach ich noch an der Universität von Sylva und kurz danach fuhren wir mit leichten Schmerzen weiter: von den Appalachen durch die Great Smoky Mountains auf Highway 441 hinunter nach Knoxville/Tennessee, durch das „Land Between the Lakes“ (Burgley and Kentucky Lake) in Kentucky und weiter nach St. Louis in Illinois.
Ich hatte bei der Reiseplanung selbstverständlich nicht die ungewollten Aufenthalte einkalkuliert. Wir wollten eigentlichschon im Frühjahr die Prärie durchquert haben. Nun war aber schon Ende Juli und die Sonne brannte auf den Planeten. Viel zu heiß für einen Schlittenhund und einen Melanom-Patienten. Schließlich war Shir Khan ein Malamut und kein Kamel. Ich suchte eine andere Transportmöglichkeit. Der Flug nach Denver kostete zu viel. Der Bus nahm meinen Freund nicht mit. Sollten wir vielleicht von St. Louis wieder zurück in Richtung North Carolina radeln?
Ich entschied mich für diese Lösung, und in Waterloo trafen wir auf nette Menschen, die uns halfen, ein billiges Fahrzeug zu finden, mit dem wir die Prärie durchqueren konnten. Dollar 50.- hatte der kleine Honda Accort gekostet. Der Motor war noch tadellos. Nur die Karosserie hatte sehr schwere Rostschäden. Kurt Russel, einer der netten Menschen, schweißte zwei acht Zentimeter breite Eisenträger unter dem „Auto“ fest, so dass es nicht in zwei Teile zerbrach. Nicht einmal beim Tanken schaltete ich den Motor ab, aus Angst, er würde nicht mehr anspringen. Wir fuhren durch Missouri und Kansas nach Colorado. Im Hof bei meiner Tante Margarethe brach das „Auto“ nach 890 Meilen in zwei Hälften. Der Motor brachte noch Dollar 300.- ((-;

Die Schäferhündin Natascha, die ich meinem Cousin Mike und seiner Frau Dajana überlassen hatte, war leider einige Wochen vorher verstorben.
Von Colorado Springs fuhr ich auf der Fahrradweltmeisterstrecke Highway 24 wieder in die geliebten Rocky Mountains. Im Skiort Aspen /Colorado trafen wir in einer Brauereigasstätte (Brewerypub) auf Lauretta. Sie war Mitinhaberin dieses Pubs, in dessen Mitte ein blank geputzter Bierbraukessel stand.
Lauretta erzählte dem Braumeister, dass ich aus Deutschland komme. Ich diente dem Meister als Tester, da dieser gerne den Geschmack des deutschen Bieres

gehabt hätte. Nur ein Tester spuckt das Bier wieder aus, ich nicht. So wurde es ein feuchtfröhlicher Tag.
Auf dem Weg von Aspen nach Glenwood Springs trafen wir in Carbondale auf Marjorie. Sie hatte über uns in der Aspen-Zeitung gelesen, lud uns zu sich nachhause zum Essen ein und stellte ein paar Kontakte her, die uns weiter halfen.
Nun fuhren wir durch den trockenen, heißen, staubigen und steinigen Teil der Rockies. Der Dinosaurier National Park in Utah war das nächste Ziel. Dort fand man Tausende von Knochen einstiger Giganten der Natur, den Dinosauriern.
Wir folgten eine Weile dem Green River bis zum Flamming George Reservoir in Wyoming, folgten dann dem Highway 189, bis wir die mächtige Gebirgskette der Tetons sahen. Vom Touristenort Jackson Hole aus fuhren wir an der Bergkette entlang in Richtung Norden.

WYOMING. GRAND TETON N.P. YELLOWSTONE N.P.

Als wir an der Autokolonne am südlichen Eingang zum Yellowstone National Park vorbei fuhren, hörte ich meinen Namen rufen. Erstaunt schaute ich auf, es waren Sylvia und Den, die ich 1987 auf der Fähre nach Alaska kennengelernt hatte. Das nette Ehepaar lud uns zu sich nach Californien ein, bevor sie mit ihrem Wohnmobil in der Masse der Fahrzeuge untertauchten.
Da zu dieser Zeit Sommerferien in den USA waren, stand der Park vor einem Verkehrskollaps. Wir konnten die Herrlichkeiten des Parks nicht bewundern. Zu sehr war ich mit dem Verkehr beschäftigt.
Wir erreichten Old Faithful, den wohl berühmteste Gaysier in Nord Amerika am 10.August 1991.
Wir radelten am Yellowstone River in der Ebene der Big Bel Mountains nach Montana. Die flachen, schier endlosen Weiten im Osten dieses States versetzten mich in Staunen, aber auch gleichzeitig in Langeweile.
In den Kleinstädten wurde zwar über uns berichtet, aber es handelte sich meistens um Wochenzeitungen, so dass die Information nicht rechtzeitig bei der Bevölkerung ankam, um mein mageres Budget anzuheben. Doch wurden wir auch so unterwegs angehalten und manchmal unterstützt, denn das Schild „Fight Cancer“ (Kampf dem Krebs) machte die Menschen in den vorbeifahrenden Fahrzeugen neugierig und sie hielten uns an. Dann erzählte ich

von unserer Reise, die in der Zwischenzeit schon zur Mission geworden war. Ohne zu sagen, dass wir von der Hand in den Mund lebten, gab man uns zu Essen oder sogar ein paar Dollar.
Im Norden von Montana fuhren wir durch das Reservat der Blackfeet Indianer. In dem Ort St. Mary wurde ich vom Chef, dem Oberhaupt der Blackfeet eingeladen. Er erzählte mir aus erster Hand, was der Weiße Mann aus der „First Nation“ gemacht hatte. Wir durften in einem Tipi schlafen, das noch aus der Zeit stammte, wo die Blackfeet andere Sorgen hatten als den Weißen Mann.
X-mal hatten wir den Continental Divide, den Scheitelpunkt der Rockys, überquert. Wir fuhren auf vielen Passstraßen, die sehr schmal und somit sehr gefährlich waren. Doch die schönste von all diesen Passstraßen war der „Going to the Sun Highway“. Von St. Mary fuhren wir am gleichnamigen See entlang auf dieser außergewöhnlichen Passstraße, die uns durch den Glacier National Park führen sollte.
Ein Hinweisschild mache mich darauf aufmerksam, dass diese Straße für Biker nur von 6.00Uhr bis 11.00Uhr geöffnet sei. Durch das derzeitige hohe Verkehrsaufkommen (es waren immer noch Ferien), war es zu gefährlich, nach 11.00 Uhr diesen schmalen Highway mit den engen Tunnels zu befahren.
Es gab auf dieser Strecke zu wenige Haltebuchten. Jeder Tourist wollte diese einzigartige Bergwelt sehen. Aber, wie die Menschen nun einmal sind, am besten vom Auto aus. Viele ins Tal stürzende Wasserfälle, die von über 40 Gletschern gespeist wurden, waren zu sehen, sowie ein fantastisches Bergpanorama mit schneebedeckten Gipfeln, wie zum Beispiel der Mt. Oberlin. Täler mit dichten Tannenwäldern, saftig grünen Grasflächen, auf deren Wapitis grasten. Es war ein traumhaftes Bild.

MONTANA. GOING TO THE SUN HIGHWAY. IDAHO, WASHINGTON, OREGON, CRATER LAKE N.P.

Um 11.26 Uhr hatten wir den Logan Pass erreicht. Die 26 Minuten, die wir über die Zeit waren, waren nicht so tragisch. Wir wollten die Bergwelt erkunden, doch machte es keinen Spaß, auf Pfaden zu gehen, die von so vielen Touristen besucht wurden, dass man Platzangst bekam. Außerdem war es dadurch unmöglich, Tiere zu beobachten
Auf der abfallenden Straße war durch unser hohes Gewicht von 210 kg die Beschleunigung sehr hoch. Wir mussten einige Male anhalten, da die Felgen

vom vielen Bremsen heiß gelaufen waren. In der ersten 180° Kurve stießen wir fast mit einem Schwarzbären zusammen, der plötzlich aus dem Gebüsch schoss. Wir fuhren knapp an dem Bären vorbei, der genauso erschrocken war wie wir.
Von der Stadt Kalispell/Montana fuhren wir auf dem Highway 2 weiter. Idaho und Washington/State waren unsere nächsten Ziele im Westen. Danach führte uns der Highway 141 Richtung Süden. Wir überquerten den Columbia River, auf dem im 18. Jahrhundert Louis und Clark, die legendären Landvermesser und Forscher, in ihren Kanus schon bald den Pazifik erreichen sollten.
Der Crater Lake National Park im südöstlichen Gebiet von Oregon ließ mich das hektische Treiben der Städte Salem und Eugene vergessen. Die Naturschönheiten um den Mt. Mazame, wie einst die Indianer den Crater Lake nannten, sind traumhaft. Man steht an einem der vielen Aussichtspunkte und schaut vom Kraterrand hinunter auf einen tiefblauen See. Das Bild mit den beiden Inseln Phantom Ship Island („Geisterschiff-Insel“) und Wizzart Island, („Zauberer-Insel“) ließen in mir ein Gefühl der Ruhe und Harmonie aufkommen, das Gefühl, mit Mutter Natur eins zu sein. Ich nehme stark an, dass dies eine der Waffen gegen den Zeitjäger Krebs ist, diese durch den Körper strömenden Glücksgefühle.
Nach 7056,9km, am 01. Okt. 1991 verließen wir die heilige Stätte der Klamath-Indianer, den Crater Lake.
200 km weiter kamen wir in die Stadt Klamath Falls. Es waren drei Monate vergangen, und ich brauchte wieder einen Check Up. Und wieder hatte ich Glück, denn in dieser Stadt war eine Krebsklinik. Dr. Bohnen untersuchte mich im Cancer Treatment Center von Klamath Falls. Die Untersuchungen waren zum Glück auch kostenlos und fielen negativ aus. Man erwartete jedoch, dass ich mit den örtlichen Medien sprach, was ich natürlich gerne wahrnahm. Einerseits, um Werbung für das Krankenhaus, und andererseits natürlich auch, um Werbung für mich zu machen. Denn ich zog ich ja auch Nutzen aus dieser Werbung. Man kannte uns dann aus den Medien und viele Leute halfen uns weiter.
Wir fuhren weiter an der nördlichen Landesgrenze von Kalifornien entlang, um einen Abstecher weiter östlich zur Glücksspielstadt Reno, in Nevada zu machen.

Ich hatte gehoffte, in dieser Stadt der Casinos etwas mehr bewegen zu können. Im Washoe Medical Cancer Center hatte ich die erste Motivationsrede in den USA. Doch nur ein Journalist von der Presseagentur Reuter war auf die vom Hospital geschriebene Einladung gefolgt. Es war ein klitzekleiner Bericht, der aber um die Welt ging.

------------------Referenzschreiben-------------------------------------------------------

CALIFORNIA. YOSEMITE N.P. JOSHUA TREE N.P. TIJUANA/MEXICO

Als ich während des Vortrages im Washoe Medical Center, in die Augen der Patienten blickte, sah ich einen Funken der Hoffnung. Dieser „Funke“, den ich zu geben imstande war, motivierte wiederum mich im Kampf gegen diesen Zeitjäger. Denn diese Patienten gaben mir das Gefühl, gebraucht zu werden. Es stachelte mich an, noch mehr tun und meinen eigenen Krebs zu vergessen.
Wir fuhren von Reno wieder zurück nach Kalifornien und radelten in der Sierra Nevada hoch zum Lake Tahoe. Der Wasserspiegel des Sees war sehr niedrig. Dies war deutlich an den weißen Ablagerungen an den Felswänden zu sehen. Zu viel Wasser wurde für die Menschen in den Metropolen Sacramento, San Francisco und Los Angeles gebraucht.
In der Nähe von Sacramento, an der Universität von Davis hatte ich am 22.Okt.1991 den Höhepunkt meiner bisherigen Reise. Ich durfte an der größten Universität von Kalifornien vor 300 Studenten sprechen. Will Lotter ermöglichte mir diesen Vortrag in der „halth education class“. Will Lotter sagte anschließend:“ so etwas habe ich noch nicht erlebt, diese Ruhe, man konnte eine Stecknadel fallen hören“.
Aus den finanziellen Gründen konnten wir uns nur einen kurzen Aufenthalt in San Francisco erlauben, bevor wir weiter zum 300 km entfernten Yosemite National Park fuhren. 1984 war dieser Park zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt worden, da seine beeindruckenden Felsen aus Granit, seine Wasserfälle und klaren Bäche, die Haine von Mammutbäumen und seine Artenvielfalt weltweit einzigartig sind. Yosemite Valley, eingebettet in den westlichen Teil des Gebirgszugs der Sierra Nevada, ist eine Landschaft, die man nicht beschreiben kann, so schön ist sie.

Der Highway 41 führte uns vom Yosemite nach Fresno, wo wir an der dortigen Staatlichen Universität von Fresno zu einer Gruppe zukünftiger Krankenschwestern sprachen.
Auf unserem Weg nach Los Angeles lag der Ort Chatsworth. Dort besuchten wir Karin und David, die wir auf dem Going to the Sun Highway und danach noch einmal auf einem Campingplatz in Idaho getroffen hatten. Mit ihnen fuhren wir zum Wüsten National Park, dem Joshua Tree. Dieser National Park ist eine Wüstenlandschaft im Südosten von Kalifornien, zirka 200 km östlich von Los Angeles. Die Wüste lebt, konnte man da nur sagen. Und wie!

Neben riesigen Findlingen, die die Größe eines mehrstöckigen Hauses hatten, blühten Kakteen.
Nach zwei Tagen fuhren wir wieder zurück nach Chatworth und mein Hund und ich machten uns wieder alleine auf den Weg.
Wir besuchten Den und Sylvia in Laguna Beach, nicht weit von Los Angeles entfernt.
Dieses Ehepaar hatten wir schon zweimal getroffen. Das erste Mal im Fährhafen von Skagway/Alaska und das zweite Mal am südlichen Eingang des Yellowstone National Park.

Den war auch an schwarzem Hautkrebs (Melanom) erkrankt. Er glaubte, dass frischer Möhrensaft die Lösung gegen seinen Hautkrebs sei. Ich bin überzeugt,, dass der Glaube an etwas, das einen heilen kann und noch dazu gesund ist, das Immunsystem wieder aufbauen und stärken kann, so dass der erkrankte Mensch wirklich wieder gesund wird.
Der ehemalige Berufsfeuerwehrmann Dan war auch ein Mann der Kirche. Nicht so extrem wie der Prof. R aus Deutschland, doch glaubte er auch an den „Kirchlichen Gott“ und an die von Menschenhand geschriebene Bibel.
Dan hatte mit der Kirchengemeinde einen Konvoy zusammengestellt. Die Pick Ups und das Wohnmobil waren mit Reis, Bohnen, vielen Lebensmitteldosen,

hauptsächlich Bohnen, vielen Plastikplanen und Kleidungstücken beladen. Der Konvoy sollte einige Hundert Kilometer weiter über die Grenze nach Tijuana/Mexiko fahren. Wir fuhren mit mehreren Erwachsenen und vielen Kindern los. Auf der Müllkippe der Großstadt Tijuana lebten Menschen in Baracken, die aus Pappkartons bestanden. Sie hatten die Kartons auseinander geschnitten und als „Haus- Wände“ benutzt. Die Menschen strömten aus ihren Behausungen herbei und stellten sich hintereinander in einer Reihe an, um ihre Spenden entgegen zu nehmen. Ich konnte während des Verteilens der Güter ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen feststellen.

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Nachdem wir diese katastrophalen Zustände gesehen und mit nachdenklicher Miene verlassen hatten, traten wir die Rückreise an. Wir hielten noch in der von Menschen überfüllten Stadt Tijuana, um einige Sachen zu kaufen. Am späten Nachmittag wollten wir wieder zurück in die USA. An der Grenze kontrollierte ein Beamter mit strengem Gesichtsausdruck unsere Pässe. Der Beamte winkte mich aus dem Fahrzeug und deutete auf das Gültigkeitsdatum. Der Pass war abgelaufen. Daran hatte ich nicht gedacht.
Für mich gab es keine Rückfahrt nach Californien. Mein Pass war nur um einige Tage abgelaufen. Wir redeten im Büro auf die Grenzbeamten ein. Es half kein gutes Zureden, keine Zeitungsartikel, es half einfach nichts!
Kacke! Warum hatte man dies bei der Einreise nicht kritisiert und mich darauf aufmerksam gemacht? Naja, es war meine eigene Dämlichkeit. Mein bester Freund Shir Khan fuhr nun allein mit Den und den anderen Bekannten zurück nach Laguna Beach.
Ich sah nicht aus wie ein Tourist, eher wie ein „Rambo“ auf Mission. Angezogen mit meiner Survival-Jacke, dem Stirnband, dem Schlafsack unter dem Arm, sah ich nicht gerade vertrauenserweckend aus. Ich suchte eine billige Schlafgelegenheit, da es mir einfach zu gefährlich erschien, irgendwo zwischen den Häusern zu campieren.
Die erste Nacht verbrachte ich in einem Stundenhotel. Am nächsten Tag lief ich zum US-Konsulat, wo ich erst am dritten Tag Gehör fand. Es war ein Spießrutenlaufen, ein Hin und Her mit den US-Behörden in Mexico. Eine ganze

Woche verbrachte ich in bordellähnlichen Hotels, einen Tag in einem Luxushotel und zwei Tage bei einer netten Familie. Der Hausbesitzer fuhr mich an einen weiter östlich liegenden nicht so hektischen Grenzübergang. Dort hatte man mehr Zeit, um die Glaubwürdigkeit meine Aussagen zu kontrollierten. Ich durfte nach zwei Stunden die US-Grenze überschreiten. Mit einem privaten Bus fuhren wir zurück bis nach Laguna Beach. Ich war sehr froh, wieder bei meinem Shir Khan zu sein.
Nach einigen Tagen machte Dan mir den Vorschlag, uns durch die Wüste bis Las Vegas mit seinem Wohnmobil zu fahren. Von dort aus wollte er uns dann mit seinem Fahrrad ein Stück des Weges begleiten. Es wurde dem Kalifornier dann doch etwas zu kalt und wir waren wieder alleine.
Einige Zeit später erreichten wir den Zion National Park. Dieser befindet sich im Südwesten Utahs an der Grenze zu Arizona. Die Canyons sind aus 170 Millionen Jahre altem braunen bis orangeroten Sandstein der Navajo-Formation entstanden. So klein fühlte ich mich noch nie, als ich vor den fast senkrecht in die Höhe schießenden Bergwänden stand. Dann ging es fast nahtlos in den Bryce-Canyon-Nationalpark über, der im Südwesten Utahs liegt. Einfach erstaunlich, diese aus rotem Sandstein entstandenen Felspyramiden, die sogenannten Hoodoos, die man von der Abbruchkante des Paunsaugunt-Plateaus bestaunen konnte.

NEVADA / LAS VEGAS. UTAH / ZION N.P. BRYCE N.P.

UTAH / CAPITOL REEF N.P. ARCHES N.P.

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Wir fuhren weiter zum Capitol Reef N.P. eine über 150 km lange geologische Formation, die sich in Nord-Süd-Richtung erstreckt. mit ihrem von Wind und Wasser herausgewaschenen Tal. Wir zelteten irgendwo in den Canyonlands. Zwei Tage lang herrschte so ein dichter Nebel, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte. Kein Auto, kein Radler, haha. Erst als wir vom Highway 24 auf die Interstate 70 bei Green River stießen, erkannte ich, wo wir wir uns eigentlich befanden.
Am 14. Dez. 1991 erreichten wir nach insgesamt 9335 km (Trip 1991) den Arches National Park. Es war einfach überwältigend, was unseren Augen dort geboten wurde. Der Park hat die weltweit größte Konzentration an natürlichen Steinbögen (engl.: arches), die durch Erosion und Verwitterung ständig neu entstehen und wieder vergehen. Im Parkgebiet sind über 2000 Arches mit einer Öffnung von mindestens 90 cm (3 Fuß) nachgewiesen.

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Außerhalb der Ortschaft Moab, in einer Blockhütte, die im Sommer als Jugendherberge dient, verbrachten wir Weihnachten. Wir hatten schon fürchterlich kalte Tage und Wochen hinter uns. Ich nutzte die Zeit in der Blockhütte damit, unsere Ausrüstung auf Vordermann zu bringen, um die nächsten Wochen gut zu überstehen. Das wichtigste war, Hundeschuhe für Shir Khan (Buddys) zu nähen und das Rad zu warten (Inspektion). Neujahr waren wir in Colorado, dem zweitbekannten Skiort nach Aspen, „Telluride“. Im hohen Schnee in einem Park verbrachten wir zwei Nächte, ehe wir unsere Exkursion weiter nach Süden fortsetzten.

1991 NEW YORK, MEDFOTD LONG ISLAND-NEW-YORK-138km.
NEW JERSY-PHILADELPHIA-GETTYSBURG-588km PENSYLVANIA
OLNEY-WASHINGTON DC-175km
MARYLAND PARCEVILLE-FRONT ROYAL-ROCKFISH-331km
VIRGINIA, WAYNESBORO-ASHVILLEE-SYLVA- 663km
NORTH CAROLINA, KNOXVILLE-CLARKSVILLE-439km
TENNESSEE WICKLIFFE-238km
KENTUCKY: ST.LOUIS-277km
ILINOIS, ST.CHARLES-KANSAS C.-497km
MISSOURI: TOPEKA-FLAGLER CO.-895km
KANSAS,
COLORADO: COLORADO SPGS.-WOODLAND PARK-74KM, ASPEN-GLENWOOD SPG.-CRAIG-482km.
DINOSAUR-DUTCH JOHN-297km
UTAH: GREEN RIVER-MAMMOTH HOT SPRG.- 686km
WYOMING: LIVINGSTON-GREAT FALLS-ST.MARY-617km
MONTANA: KALISPELL-SANDPOINT 617km
IDAHO: SPOKANE
WASHINGTON: SEATTEL-NEAR WATER-1.056km, ST.HELENS-OREGON: EUGENE-KLAMATH FALLS-638km, MACDOEL-RENO NV-
CALIFORNIA: SACRAMENTO-DAVIS-494km
NEVADA: RENO
CALIFORNIA: WALNUT CREEG-DAVIS-116KM
CALIFORNIA STOCKTON-FRESNO-LAGUNA BEACH-1.028KM
SAN DIEGO-TIJUANA-LAGUNA BEACH-222KM,
LOS ANGELES-NEEDLES-286KM
NEVADA: LAS VEGAS-MOSQUITE-ST.GEORGE
UTAH. 592KM-ARIZONA-HANKSVILLE-MOAB- 1.036KM