Biographie von Randolph Westphal

So fing vor 25 Jahren, der Kampf gegen einen gnadenlosen Zeitjäger an.

DER SELBSTMORDVERSUCH

Ich war 1984 in ein Geschäft eingestiegen, ohne mich über die finanzielle Lage dieses Unternehmens zu informieren. Blauäugig und naiv glaubte ich alles, was mein zukünftiger Partner (Herr B.) mir sagte. Herr B. war immerhin der Geschäftspartner von meinem Freund Werner. Die beiden hatten ein gutes und florierendes Geschäft aufgebaut. Herr B. wurde jedoch allergisch gegen Lackdämpfe und Acryllacke. Er wollte mit einem anderen zusammen eine neue Firma gründen, die sich mit Vorbeugendem Baulichen Brandschutz nach DIN 4102 befasste.
Das war kein Problem für ihn, da er für dieses Gewerbe einen Meisterbrief hatte.
Ich sollte einige Monate später Teilhaber werden.
Viel zu spät fand ich heraus, dass alles, was meine Partner von sich gaben, nur heiße Luft war. Der andere war ein sehr „umfangreicher“ Mann, der nur einen roten Overall besaß, da er wahrscheinlich in kein anderes Kleidungsstück hineinpasste
Ich rackerte und schuftete mich mit meinen Mitarbeitern auf den Baustellen ab. Wir alle hatten nie zuvor jemals in dieser speziellen Branche gearbeitet und die beiden Herren „Meister“ ließen sich selten auf den Baustellen blicken. Wenn sie einmal auftauchten, zeigten sie mir, wie etwas nach DIN 4102 gebaut werden sollte. Körperlich länger als einige Stunden mitzuarbeiten wurde von den Herren kategorisch abgelehnt. Mit der Aussage, sie müssten Aufträge beschaffen setzten sie sich ab. Der Dicke mit dem roten Overall hatte Herrn B auch gut im Griff.

Meine „Partner“ saßen viel lieber im warmen Büro, machten Verträge mit Firmen, so unter Preis, dass wir nur von der Bank lebten. Die Devise der Herren lautete: wir müssen erst einmal Fuß bei den Firmen fassen, die schon lange in diesem Gewerbe tätig sind.
So bekamen wir von diesen Firmen als Subunternehmen Aufträge, die sich für sie nicht lohnten. Zum Beispiel beim Innenausbau (Rigipsplatten F30), wo man nach Quadratmeter bezahlt wurde, bekamen wir nur verwinkelte Bauten.
Eine Aussage der beiden Brandschutzexperten: „Vielleicht bekommen wir später auch lukrative Arbeiten, aber erst müssen wir diese Aufträge gut abwickeln“.

Ich musste mir von Mitarbeitern anderer Firmen Tipps holen, sie beobachten und es dann selbst umsetzen, während meine Kumpels die Zeit damit totschlugen, Bierflaschen zu stemmen. Sie waren zum Teil auch aus der Baubranche, doch sehr helle waren sie nicht.

Es gab nur eine einzige Baustelle, an der wir Geld verdienten, das Hochhaus am Park in Frankfurt. Ich hatte auch dort „die Herren“ nur zweimal bei einer Baubesprechung gesehen. Dafür setzte ich mich auch nach 14 Stunden Arbeit noch hin und lernte, wie man nach DIN 4102 baut.
Die Warnungen von meiner damaligen Lebensgefährtin, die bei dem Dicken und Herrn B. die Büroarbeiten machte, schlug ich in den Wind.
Meine „Selbständigkeit“ endete nur ein Jahr später. Ich hatte nun 180.000 DM an die Bank zurückzuzahlen. Ein teurer Preis für anderthalb Jahre Selbständigkeit.

Ich war am Boden zerstört. Meine große Liebe versuchte, mich immer und immer wieder aufzurichten und aufzubauen. Doch ich fiel in ein tiefes seelisches Loch, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gab.

Ich hatte bald wieder einen Job, doch erdrückten mich meine Schulden. Für was arbeitete ich überhaupt? Ich suchte mein Heil in Kursen für Überlebenstraining, trank zu viel, war zu oft krank und verlor dadurch meinen Job.
Ich reagierte nicht auf die Warnungen meiner Freundin, dass sie mich verlassen würde, wenn ich so weiter machte. Wenn ich nicht bald wieder zu mir käme und nach vorne schauen würde. Auch kümmerte ich mich nicht mehr genug um sie. Der Tag kam und meine große Liebe ging.
Die Welt brach für mich zusammen, das letzte bisschen Hoffnung, dass ich in den Händen hielt, zerbröselte wie ein Klumpen Sand in meiner Hand und rieselte mir durch die Finger.

Was sollte so ein Versager in dieser Welt?
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Review:

Noch nie hatte ich es in meinem jungen Leben zu etwas gebracht. Schon als Kind von meinen Eltern verlassen, suchte ich immer nach Anerkennung, die mir keiner gab, nur Mitleid kam mir entgegen.

Ich wurde als Scheidungskind viel herumgestoßen und wuchs zum großen Teil bei meiner Oma auf, die noch nie eine gute Beziehung zu ihren Kindern hatte. Eine verbitterte alte Frau, die aus ihrem Leben so viel hätte machen können.

Marie Westphal, meine Oma, hatte selbst vier Kinder. Der älteste, Willi, war mein Vater. Seine Schwester hieß Margarethe, die nach Amerika auswanderte. Sie sagte selbst, dass sie von ihrer Mutter misshandelt wurde. Und die Zwillinge Horst und Gerhard.

Die Oma war gelernte Hutmacherin und gebürtig in Kaichen/Hessen. Der Westphal arbeitete bei der Reichsbahn und war ein sehr guter Fußballspieler. Er wohnte in Windecken.
Dort, wo es einen Schinken, also etwas zu essen und zu trinken gab, da spielte er – und so war es auch einmal in Kaichen. Da er gut aussah, machte er die Bekanntschaft mit der gelernten Hutmacherin Marie, die später seine Fau werden sollte.

Marie, meine Oma, bekam vier Kinder und war ihr Leben lang sauer, dass sie nie ihren Gesellenbrief realisiern konnte. Das hatte vor allem Margarethe, die einzige Tochter, sehr oft zu spüren bekommen. Schon früh verstarb der Familienvater und Marie Westphal musste ihre vier Sprösslinge nach dem zweiten Weltkrieg alleine groß ziehen.

Gegenüber ihren Söhnen war sie eine gute Mutter. Ihr Liebling war mein Vater Willi. Dieser setzte genauso sein Leben for,t wie es :sein Vater getan hatte. Fußball, Fußball und noch einmal Fußball, nichts war heiliger, nicht einmal die Familie. So trennte sich meine Mutter Rosemarie Westphal, geborene Kowalski, von meinem Vater Willi Westphal.
Ich war nun bei meiner Oma. Oma Marie war der Auffassung, dass Rosemarie ihren Sohn verlassen hatte, und so durfte ich meine Mutter nicht mehr sehen. Meine Mutter wurde abgeblockt oder von Marie rausgeworfen. Nicht viel mehr kümmerte sich mein Vater um mich, der mir nur dann Zuneigung entgegen brachte, wenn er betrunken war.
Erst im Alter von 7 Jahren kam ich in die Schule. Einige Tage nach meiner Einschulung wurde ich von meiner Mutter nach Frankfurt geholt. Sie hatte es per Gericht dann doch geschafft, mich zu sich zu holen. Doch in keiner FrankfurterSchule war Platz für mich frei. Es dauerte fast ein Jahr, bis ich wieder auf einer Schulbank saß.

Ich wurde als Legastheniker abgetan, dabei hatte ich nie das ABC richtig gelernt (beim Buchstaben „C“ wurde ich aus der Schule gerissen) Mein Schulleben war davon gekrönt, dass ich in vier Jahren sechs verschiedene Schulen besuchen durfte, da meine Mutter ständig umziehen musste. Ich war, wie bei meinre Oma, den ganzen Tag alliene. Schließlich landeten wir in einem Ort namens Langenhain/Ziegenberg im Taunus. Dort streifte ich nach der Schule mit meinem alten Schäferhund namens Bär, den der Lebensgefährte meiner Mutter mitbrachte, durch die Wälder. Dann bekam meine Mutter einen weiteren Sohn und ich einen Bruder.
Kurz danach wollte meine Mutter wieder nach Frankfurt ziehen. Ich hasste jedoch die Stadt.
Zeitgleich heiratete mein leiblicher Vater wieder.
Ich zog im Alter von 10 Jahren zurück zu ihm, um vielleicht das erleben zu können, was man eine Familie nannte. Nur drei Jahre später hatte ich zwei Halbgeschwister. Jetzt war ich das fünfte Rad am Wagen.
Mit 15 zog ich wieder zu meiner Oma, die in der Zwischenzeit ruhiger geworden war. Mit 16 fand ich über den Fußball bei Roland Schmidt aus Ostheim ein Zuhause. Mit dem Mofa fuhr ich fast jeden Tag zu meinem damaligen Freund. Dieser holte mich in die Fußall -A-Jugend. Bei einem weiteren Freund, Jörg Wenzel, erlebte ich ein richtiges Familienleben.
Mit 16 Jahren zog ich in meine eigene Wohnung nach Ostheim. Ich ging bei der Firma Telefonbau und Normalzeit in die Lehre. Jedoch war ich die Hälfte der Lehrzeit krank, da ich für meinen Lebensunterhalt nebenbei arbeiten musste.

ICH WERDE MEINEM LEBEN EIN ENDE BEREITEN

Nach der Pleite meines ersten Versuchs der Selbständigkeit und dem Verlust meiner großen Liebe fühlte ich mich nutzlos und für die Gesellschaft nicht tragbar. Unfähig etwas Konstruktives zu leisten, beschloss ich,meinem Leben ein Ende zu bereiten. Ich setzte mich in meinen VW-Bus und fuhr nach Ziegenberg, wo ich einen Teil meiner Kindheit verbracht hatte. Dort kannte ich jeden Strauch, jeden Baum und jeden verwunschenen Waldwinkel.

Kein Mensch würde mich hier entdecken. Auf dem Weg zu meiner eigenen Hinrichtung kaufte ich mir genügend Schlaftabletten und eine Cassette von Peter Maffay, die ich mir unter Tränen immer und immer wieder anhörte.

“Tabaluga – Ich wollte nie erwachsen sein …” Tränen liefen mirunaufhörlich die Wangen hinunter.Ich fand den richtigen Platz für meine Hinrichtung. Tief im Wald, in der Nähe eines Bunkers aus dem zweiten Weltkrieg.

Soviel hatte ich in meinem Leben noch nie geweint, wie in diesen letzten Stunden. Ich trank Alkohol und schluckte dabei ca. anderthalb RöhrchenTabletten. Es wurde langsam dunkel. Ich hatte keine Tränen mehr und hatte mit meinem Leben abgeschlossen. Das Leben zog ein letztes Mal im Zeitraffer an mir vorbei. Ich fühlte mich müde und bereit, nicht mehr in mein Leben zurückzukehren.

„Was passiert mit Natascha?“ schoss es mir plötzlich durch den Kopf. „Meine Schäferhündin, mein Gott, um das arme Tier kümmert sich doch keiner!“. Ich fiel vom Liegesitz und kotzte den VW-Bus voll.

Im Dunkeln in meinem Erbrochenem liegend, wusste ich nicht mehr, wo oben und unten ist. Ich hatte die Orientierung verloren. Nach dem Türgriff suchend fiel ich taumelnd umher. Ich fand den Griff, öffnete die Schiebetür und fiel aus dem Bus.

Ich erwachte gegen Mittag des nächsten Tages. Ich war noch am Leben. Aber ich ärgerte mich nicht darüber, dass ich nicht einmal fähig war mich umzubringen. Nein, das einzige, was mir durch den Kopf ging, war Natascha.
Feucht vom Gras und meinem Erbrochenen setzte ich mich in meinen Bus und fuhr nach Hause zu Natascha.
War dies vielleicht ein Wink des Schicksals? Vielleicht wollte ich gar nicht so richtig tot sein; vielleicht nur so ein bisschen. Ich wusste nun, dass die Zeit für mich noch nicht gekommen war. Es war eine Kurzschlussreaktion. Eine Reaktion, die man hätte nicht mehr rückgängig machen können.
Ich würde in Deutschland nie wieder glücklich sein können, da mir die Banken alles wieder abnehmen würden. Ich trat die Flucht nach vorne an.

1986

Im Oktober 1986 flog ich mit meiner Hündin „Natascha“ zu meiner Tante Margarete nach Colorado/USA, um dort ein neues Leben zu beginnen. Vorher verkaufte ich noch alles, was ich besaß. In den USA, am Kennedy- Flughafen angekommen, stand ich vor einem Problem: ich sprach kein Wort Englisch. Ich musste mich um den Weiterflug nach Denver kümmern. Aber vorher passierte ein kleines Missgeschick. Nachdem ich Natascha aus der Hundebox gelassen hatte, machte sie erst einmal ihr großes Geschäft, uns zwar mitten in die Abflughalle!
Es war mir schrecklich peinlich, vor allem, weil ein Flughafenangestellter erschien und das Missgeschick beseitigen wollte. Er sagte, es sei ok, als ich es wegmachen wollte. Mit feuerrotem Kopf ging ich weiter zum Abflug-Gate. In Denver, Colorado, holte mich mein Onkel Charly vom Airport ab.
Viele amerikanische Fluggäste hatten noch nie einen solch schönen Schäferhund gesehen.
Alle wollten Natascha streicheln, was sie sichtlich genoss. Die Konversation zwischen Charly und mir beschränkte sich nur auf die Deutschkenntnisse, die Charly besaß. Ich dachte, wenn ich so gut Englisch sprechen könnte wie mein Onkel Deutsch, dann wäre das schon etwas. Die Familie Weaver lebte in der Nähe von Colorado Springs in der Nähe des Pike´s Pik, einer der höchsten Berg von Colorado.
Sie nahmen mich mit offenen Armen auf, obwohl sie selbst mehrere Kinder haben, die alle schon aus dem Haus waren. Um zu etwas Geld zu kommen, ersteigerte ich mit meinem Onkel Charly heruntergekommene Autos, machte sie sauber und verkaufte sie mit Profit.
Nach kurzer Zeit fand ich einen Job im Innenausbau. Somit war ich Subunternehmer und hatte damit einen festen Job, was auch ohne Papiere ging.
Noch sprach ich kein Wort Englisch, doch man honorierte meine Arbeitsleistung. Nach einem halben Jahr hatte ich alles, was man für einen Neustart brauchte: Wohnung, Arbeit und den amerikanischen Führerschein. Nach 5 Monaten wurde es Zeit, dies alles zu legalisieren. Ich brauchte eine Arbeitserlaubnis, die sogenannte „Green Card“. Doch im Immigration Center in Denver wurde ich eines besseren belehrt: ich müsse erst wieder zurück nach Deutschland, um den Antrag dort stellen zu können. Die Erledigung dieses Antrags könne fünf bis sieben Jahre dauern. Da half es auch nichts, dass mein Onkel sich als Bürge verpflichten wollte. Soweit ich meinen Onkel verstand, sagte er zu dem Beamten, dass es tausende von illegalen mexikanischen Arbeiter allein in Colorado gäbe und sich keine Behörde großartig darüber aufrege. Wenigstens konnte Onkel Charlie eine Visumsverlängerung von einem halben Jahr erreichen.
Es entwickelte sich eine Idee in meinem Kopf. Im Inneren meiner Seele war ich ein
Abenteurer. Wenn andere Bücher lasen, faszinierten mich Landkarten. Nun war ich mit meiner Hündin Natascha auf dem Nordamerikanischen Kontinent, und den wollte ich auch sehen. Aber wie sollte ich das anstellen mit meinem schmalen Budget? Da kam Onkel Charlie auf die Idee, ich solle doch mit dem Fahrrad fahren. Ich hatte 20 Jahre Fußball gespielt, Tennis und noch vieles mehr, doch mit dem Rad?
Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto faszinierender fand ich diese Idee. Ich kaufte mir ein Mountainbike, die es damals schon dort gab, und einen Anhänger für Natascha. Natascha war nie ein Hund, der viel laufen musste. Ich hatte sie auch erst bekommen, als sie schon sieben Jahre alt war.
Während des Trainings begann Natascha zu humpeln. Sie musste ja die Berge erlaufen. Ich ging mit ihr zum Tierarzt. Diagnose: Arthrose. Die Hündin würde zwar diesen Trip überleben, doch könnte man sie anschließend einschläfern. Das wollte ich natürlich nicht.
Da Natascha schon immer sehr kinderlieb war, bot ich sie meinem Cousin Michael mit seinen zwei Kindern an. Außerdem hatte er ein großes Grundstück, somit war Natascha dort gut aufgehoben.
Alleine wollte ich jedoch diesen Kontinent nicht erradeln. Mein Traum war schon immer ein Malamut (Schlittenhund)gewesen. Der Zufall wollte es, dass jemand einen 7 Wochen alten Wolf-Malamut anbot. Ich kaufte ihn und nannte ihn Shir Khan.
Wir starteten am Donnerstag, den 04.06.1987. Es ging von Colorado Springs zum State Park Kissing Camels. Hgwh.24, hoch in die Rocky Mountains. Wir überquerten die Rocky Mountains über die Pässe Wilkerson, Trout Creek, Poncho und Wolf Creek Pass.
Reizvolle Landschaften, wilde Täler, endlose eingezäunte Grasflächen, Ackerland und Viehzucht bis nach Durongo. Nach dieser in vielen Westernfilmen benannte Stadt durchfuhren wir das Reservat der Navajo Indianer, der einzige Indianerstamm in den USA, der noch in seinem angestammten Gebiet lebt. Der Weiße Mann vertrieb die Einheimischen damals nicht, da er mit dieser Halbwüste nichts anfangen konnte. Die Hitze machte uns sehr zu schaffen. So viel Wasser wie nur möglich mitzunehmen, war nun erste Priorität. Die Distanz von einem Ort zum anderen wurde immer länger.
Ich wusste, Amerika war groß, doch so groß!?

Diese Weite sprengte meinen engen bis dahin gekannten Horizont. Den Mesa Verde National Park hielt ich zu diesem Zeitpunkt nicht für sehenswert und wir fuhren daran vorbei. Die Four Corners schienen dagegen einen Abstecher wert. Hier treffen vier Staaten, Utah, New Mexico, Arizona und Colorado zusammen. Dies war in Nordamerika einzigartig. Doch als ich das Four Corners Wahrzeichen sah, wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich hätte doch besser zum Mesa Verde National Park fahren sollen.

Auf dem weiteren Weg Richtung Grand Canyon wurde die Wasserknappheit zur Qual, kein Baum, kein Strauch, kein Schatten, denn mein Freund Shir Khan
Brauchte viel Wasser.
Wir besuchten Städtchen wie Cortez oder Kayenta. Dort hatten die Navajo ihre
Traditionelle Behausung gegen Trailern (Wohnwagen) ausgetauscht. Nur öffentliche Gebäude waren aus Stein.
Ich unterhielt mich mit den einheimischen Navajo, denen ich gespannt zuhörte. Wie lebten sie in der jetzigen Zeit? Was taten und arbeiteten sie?

Wir fuhren weiter durch das Land der Navajo, sahen durch Erosion geformte Skulpturen aus Sandstein, die ein Bildhauers nicht besser hätte machen können: Felsformationen, wie die Baby Rocks, Church Rock, Snake Rock, und El Kapitan.

Das Frischwasser wurde in den Höhen der Black Mesa sehr schnell warm. Nach den aus weisem Sandstein geformten Elefantenfüßen kamen wir zum Monument Valley. Die wohl bekannteste Felsformation sind wohl der Left und Rigth Dip.

16.06.1987 Der steile Weg zum Grand Canyon

Wir fuhren hoch zum Grand Canyon. Der Wasservorrad ging zu Ende, die Trinkflaschen waren leer. Die Entfernung zum Eingang des National Parks war zu groß, um es noch am selben Tag zu schaffen. Wir übernachten, versteckt im Kaibab Forest. Shir Khan bekam das letzte Wasser. Am Morgen benetzte ich die Lippen mit dem Tauwasser, das ich mit einem Schwamm von der Zeltplane aufgesogen.

Am Osteingang vom Grand Canyon füllte ich endlich unsere Wasserbehälter am Visitorcenter, bevor ich zum ersten Mal den traumhaften Blick hinunter zum Colorado River hatte. Ein wahrlich faszinierender Landstrich, unbeschreiblich schön, was der Colorado River in Tausenden von Jahren erschaffen hatte.

Da es keine andere Möglichkeit gab, fuhren wir auf der Autobahn. Die Interstate 40 brachte uns bis nach Kingman.
Bevor wir die Grenze am 19.6 in Needles nach Kalifornien überschritten, musste ich all das Obst essen, das ich zuvor gekauft hatte. Grund war: man wollte verhindern, dass keine Früchte-Krankheiten nach Kalifornien gebracht wurden.

Ich führte viele Gallonen Wasser mit, um die Wüste auf der Historischen Straße Route 66 nach Twenty-nine Palms zu überstehen. Der Gedanke, diese Strecke im Sommer radeln zu können, war falsch und sehr naiv. Schon nach zwei Tagen sah ich aus, als wäre ich von der Lepra befallen. Die Wüstensonne hatte der Haut trotz Sonnenschutz sehr geschadet.
In den noch vom Zweiten Weltkrieg verlassenen und verfallenen Häuschen hatte ich Glück, nicht von einer Klapperschlange gebissen worden zu sein.

Auf der achtspurigen Interstate 10 fuhren wir bis ins Herz von Los Angeles. Wir hatten am 25.6 die längste Strecke an einem Tag gefahren, 184km, bis wir den Pazifik erreichten. In Disney Land hatte man mir den Geldbeutel gestohlen. Das Reservegeld, das ich noch hatte, würde bis San Francisco reichen.

Wir fuhren weiter in Richtung Norden: Santa Barbara, Santa Maria, Salinas, und Santa Cruz auf dem legendären Highway No.1 (101), zwischen den Coast Ranges (Bergformation) und dem Pazifischen Ozean, bis wir am 5.7.87 San Francisco erreichten. Zwischendurch hatte ich Shir Khan verloren, der sich an einer Tankstelle „abgesetzt“ hatte. Auch machte mein kleiner Begleiter auf einem Campingplatz die Bekanntschaft mit einem Raccoon (Waschbär), was schlimm hätte enden können. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Da die Amerikaner neugierig und tierlieb sind, hatte ich auf jedem Campingplatz immer Gesprächspartner und Unterstützung. Einmal hing sogar am nächsten Morgen ein Scheck am Zelt. So wurde es mir möglich, die Reise immer wieder zu verlängern.

Ich bin und war kein Fan von Städten, aber San Franzisco musste man gesehen haben! Fisherman´s Wharf, Lombart Street, Cable Cars, Alcatraz und die Golden Gate nur um ein paar highlights zu nennen.

Danach fuhren wir durch den Redwood National Park im Norden von Kalifornien. Die Jahrhunderte alten Baumriesen, die auch Mammutbäume genannt werden, waren in Oregon nur in den geschützten Gebieten zu sehen. Mitte Juli waren wir in Eurika/Oregon. Hinter dieser Stadt waren große Sägewerke angesiedelt und es lagen Hunderte dieser Baumriesen herum, das war ein trauriger Anblick.

Am 21.07 überquerten wir den Columbia River und waren nun im State of Washington. In der Stadt Raimond traf ich auf eine hübsche Tierärztin, bei der mein Hund und ich einige Tage bleiben konnten. Wir kamen uns näher und als Ergebnis hatte ich einen aufgekratzten Pigmentfleck am Oberkörper. Der kleine Riss heilte nicht und das Blut war ungewöhnlich hell. So etwas hatte ich noch bei keiner Wunde an meiner Haut je gesehen. Von meinem Körper war ich ganz anderes gewöhnt. Wenn ich mir einen Schnitt, zum Beispiel mit dem Messer zugezogen hatte, konnte ich mit ansehen, wie es heilte. Hier war es anders. Bei jeder Drehbewegung mit dem Oberkörper rieb sich die Wunde am T-Shirt auf.

Nach einigen Tagen setzten wir unsere Reise fort. Mit der Fähre schipperten wir von Seattle nach Haines, Alaska, von wo aus wir in Richtung Yukon Territories weiterzogen. Kurz hinter der kanadischen Grenze brach der Rahmen von meinemTrek-Mountainbike.

War das jetzt das Ende meiner Reise?

Danach fuhren wir durch den Redwood National Park im Norden von Kalifornien. Die Jahrhunderte alten Baumriesen, die auch Mammutbäume genannt werden, waren in Oregon nur in den geschützten Gebieten zu sehen. Mitte Juli waren wir in Eurika/Oregon. Hinter dieser Stadt waren große Sägewerke angesiedelt und es lagen Hunderte dieser Baumriesen herum, das war ein trauriger Anblick.

Am 21.07 überquerten wir den Columbia River und waren nun im State of Washington. In der Stadt Raimond traf ich auf eine hübsche Tierärztin, bei der mein Hund und ich einige Tage bleiben konnten. Wir kamen uns näher und als Ergebnis hatte ich einen aufgekratzten Pigmentfleck am Oberkörper. Der kleine Riss heilte nicht und das Blut war ungewöhnlich hell. So etwas hatte ich noch bei keiner Wunde an meiner Haut je gesehen. Von meinem Körper war ich ganz anderes gewöhnt. Wenn ich mir einen Schnitt, zum Beispiel mit dem Messer zugezogen hatte, konnte ich mit ansehen, wie es heilte. Hier war es anders. Bei jeder Drehbewegung mit dem Oberkörper rieb sich die Wunde am T-Shirt auf.

Nach einigen Tagen setzten wir unsere Reise fort. Mit der Fähre schipperten wir von Seattle nach Haines, Alaska, von wo aus wir in Richtung Yukon Territories weiterzogen. Kurz hinter der kanadischen Grenze brach der Rahmen von meinemTrek-Mountainbike.

Die einzige Möglichkeit sah ich darin, wieder zurück nach Raymond zu „meiner“ Tierärztin zu fahren, um die Garantieansprüche für meinen Rahmen geltend zu machen.
Aber wie sollte ich dorthin gelangen?
Noch während ich darüber nachdachte, hielt ein VW-Bus an und – welch ein Zufall – darin saß das Brautpaar, das ich auf der Fähre kennengelernt hatte. Sie boten mir an, mich mitzunehmen bis nach Raymond. Etwas besseres hätte mir nicht passieren können!

Das mit dem Rahmen ging in Ordnung, er wurde problemlos umgetauscht. Um diese Reise weiter finanzieren zu können, brauchte ich jedoch mehr Geld. Die Idee war, dass ich den Winter über in Raymond arbeiten und im Frühjahr nach Alaska fahren wollte. Doch kam es anders.

Eines Nachts wachte ich schweißgebadet auf. Ein Gefühl der Angst und der Nervosität überkam mich, irgendetwas war passiert. Ich telefonierte nach Deutschland, wo ich erfuhr, dass meine Großmutter im Sterben lag.
Vier Tage später waren wir wieder in Good Old Germany. Leider konnte ich meine Großmutter nur noch zum Grab begleiten.
Einige Tage später erinnerte ich mich an das blutende Muttermal und ging zum
Hausarzt. Dieser schickte mich sogleich zum Hautarzt und Frau Dr. Ausländer zögerte keine Minute, mich in die Universitätsklinik nach Frankfurt zu überweisen.

Der Arzt dort erzählte mir etwas über Melanome und schwarzen Hautkrebs, doch ich hörte nur mit einem halben Ohr hin. Krebs – was für ein Blödsinn, dachte ich. Ich dachte, dass nur Menschen, die keinen Sport trieben, sich nicht richtig ernährten und stark rauchten, an Krebs erkrankten. Nicht Sportler, wie ich es war, nein, ich doch nicht, darüber machte ich mir keine Gedanken.

Ich stand doch voll im Leben und ich fühlte mich super. Der Doktor sprach weiter über die
bevorstehende Pigmententfernung. Eine Vollnarkose wurde in Erwägung
gezogen. Was soll denn das? fragte ich mich. Eine Vollnarkose zum Rausschneiden eines kleinen Leberflecks? Das macht mich dann aber stutzig.

Es wäre besser, sagte der Arzt, da bei diesem Eingriff das Pigment entfernt und sofort untersucht werden würde. Dies wäre ein Schnellschnitt. Man könnte dann sofort diagnostizieren, ob es sich um ein gutartiges oder bösartiges Melanom handelte. Wenn es gutartig wäre, hätte ich eine sechs Zentimeter lange Narbe. Im negativen Fall könnte es zu einer weiten Ausräumung des Krankheitsherdes kommen. Dann wäre natürlich die Narbe etwas größer.

Nach der Operation wachte ich auf und blankes Entsetzen überfiel mich. Tränen flossen mir über die Wangen und tropften auf die Mullbinden, die den ganzen Oberkörper einhüllten. Das waren keine sechs Zentimeter! Nur wenige Tage später entfernte man mir noch die Lymphknoten unter dem rechten Arm. Dort hatte sich auch schon der Krebs festgesetzt. Wenn
der Krebs schon bis zu den Lymphgefäßen vorgedrungen war, hatte man laut Statistik kaum Chancen, ein langes Leben zu genießen.

Eine Welt brach für mich zusammen, ich war doch erst 29 Jahre alt, zu jung um von dieser Welt zu gehen. Von was hatte ich nur Krebs bekommen? Noch im Krankenhaus betrieb ich Ursachenforschung! Meine Gedanken kreisten um mein bisheriges Leben. Doch konnte ich im ersten Moment keinen Anhaltspunkt finden. War es mein Lebenswandel? Nein, das konnte es nicht sein.

Ich wühlte weiter in meiner Vergangenheit, und wie Schuppen viel es mir plötzlich von den Augen. Ich hatte am falschen Platz gesucht. Es ging hier nicht um falsche Essgewohnheiten oder mal zu tief ins Glas geschaut zu haben, nein, der Lebensstil war es nicht, der in mir diese Krankheit ausgelöst hatte. Es waren die Lebensumstände die mich schon Jahre begleiteten!

Drei Dinge hatten sich in meinem Unterbewusstsein festgesetzt: die Suche nach Anerkennung, nach Wärme und nach Geborgenheit. Ich fühlte mich wie ein Blatt im Wind, hin und her getrieben auf der Suche nach einer Familie, nach Gemeinsamkeit und nach Liebe.
Ja genau, diese Sehnsucht hatte mein Leben bestimmt. Nun war ich fest davon überzeugt, dass mein Krebs daher kam. Ich würde das Leben, das mir noch blieb, grundlegend ändern. Angefangen hatte ich ja schon, doch vielleicht zu spät. Statistisch gesehen, blieben mir noch 6-12 Monate zu leben.

Man empfahl mir, in Rente zu gehen, was ich jedoch ablehnte. Ich konnte doch arbeiten. Mir wurden zwar noch weitere Pigmente entfernt, doch zu diesem Zeitpunkt war kein weiteres positiv.

Nach einem Jahr war ich nicht tot, wie die Statistik sagte. Doch die Gesellschaft sah den krebskranken, der nicht mehr lange zu leben hatte. Ich bekam offiziell keine Arbeit. Als selbständiger Vertreter versuchte ich, mich über Wasser zu halten.
Das einzig Positive war, dass die Bank, wo ich so viele Schulden hatte, mir nach meinem Krankenhausaufenthalt ein Angebot machte, dass ich für DM 5000.- die Schulden begleichen konnte. Meine Freunde Bettina und Werner Reber halfen mir, obwohl sie genau wussten, dass über mir das Damoklesschwert des Krebses hing. Doch ich fiel langsam wieder in das depressive Loch.

Noch vor einiger Zeit war es der Schuldenberg, jetzt war es die Gesellschaft, die
mich schon für Tod erklärte. Keine Wohnung, nur ein Kellerloch, wo
ich mit meinem treuen Gefährten lebte. Keiner gab mir Arbeit. Wie konnte ich dieser Gesellschaft beweisen, dass ich noch noch ein vollwertiges Mitglied war?
1989 packte ich wieder das Rad und setzte Shir Khan in seinen Anhänger. Wir radelten in sieben Wochen 3500 km durch die damalige Tschechoslowakei, Ungarn und durch alle Alpenstaaten. 12 Alpenpässe über 2000m hoch hatten wir überwunden, nur um mir zu beweisen, dass ich nicht krank war, ich hatte ja„nur“Krebs.In der Tschechei brach mir pro Tag eine Speiche. In keiner Stadt gab es 26 Zoll Speichen in den sogenannten „Fahrradgeschäften“. So etwas gab es 1989 im Ostblock noch nicht. In Deutschland gab es ja auch erst Mountainbikes seit 1987/ 88.

Meine langjährige gute Freundin Regina Mohr brachte mir die Reservespeichen nach Ungarn. Sie hatte schon lange eine Radtour geplant, doch nie den richtigen Anstoß gehabt. Jetzt hatte ich sie motiviert. Wir fuhren eine Weile gemeinsam durch Ungarn, bis mich mein Weg dann in die Alpen führte.

Am Ende des Sommers 1989 kamen Shir Khan und ich wieder zurück nach Hause. Auf dem Rückweg der 7- wöchigen Tour traf ich einen Journalisten von der Bildzeitung und eine Story war geboren.

Ich hatte viel Zeit gehabt nachzudenken und war nun überzeugt, dass Deutschland mir keine Perspektive mehr bot. Ich radelte mit Shir Kahn zu Jack Wolfskin nach Frankfurt/Nied. Der damalige Besitzer Uli Dausin empfing uns recht herzlich und ich bekam einige Ausrüstungsgegenstände gesponsert.

Seit 1989 ist Randolph mit Jack Wolfskin verbandelt.

1987
COLORADO SPGS.DURONGO 488km COLORADO
MANCOS-CORTEZ-KAYENTA- 321km CO-ARIZONA
TUBA CITY-GRAND CANYON-KINGMAN-562km ATRIZONA
NEEDLES-LOS ANGELES- 480km CALIFORNIA
SANTA BARBARA-MONTEREY- 498km CALIFORNIA
SAN FRANCISCO-EUREKA-EUGENE-1.312km CA-OREGON
ASTORIA-SEATTLE-BELLINGHAM- 769km OR-WASHINGTON
PRINCE RUPERT-SITKA-HAINES- 376km ALASKA
PRINCE RUPERT-RAYMOND- 1.763km WASHINGTON

EXKURSION1987 6.569km

1989
BÜDINGEN-BAMBERG-BAYREUTH-395km DEUTSCHLAND-MAIN-RADWEG-NATURPARK- FICHTELGEBIRGE
TCHECHEI:CHEB-PILSEN-PRAG-360km CESKA PRAG
BRNO-TRENCIN-564km CESKA-BURG HARAD TRENCIANCKY, FLUSS WAAG, KARPARTEN.ZILINA-PRESOV-KOSICE-531km
CESKA MALA FATRA, HOHE TATRA,EISHÖHLE DEMINOVA
MISKOLC-EGER-BUDAPEST-GYÖR-528km
UNGARN MISKOLE; NATURPARK BÜKK, BUDAPEST
HEILIGENKREUZ-GRAZ-KLAGENFURT753km
ÖSTERREICH-GRATZ-SOBOTH PASS -KOGLER ECK, KÄRNTEN, GROSSGLOCKNER
VILLACH-MERAN-UMBRAIL PASS- 329km ÖSTERREICH JAUFEN PASS, STILFSER JOCH, UMBRAIL PASS.
ZERNEZ-DAVOS-CHUR-ANDERMAT-301km
ITALIEN GEBIRGE, OFEN PASS, FLÜELA PASS, RASSEIERTAL, MERAN
ALTDORF-KÜSSNACHT-BASEL-240km
SCHWEIZ OBERALPPASS,PIZ DAINT, ANDERMATT, BASEL
WEIL-FREIBURG-BADEN BADEN-HANAU-391km
DEUTSCHLAND BADEN-BADEN

EXKURSION 1989 4.392